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Hans Beislschmidt

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1

Freitag, 10. September 2010, 09:32

Kulissen bauen

Hey,

der Kulissenbau ist eine besondere Herausforderung. Einerseits sollen Kulissen relativ leicht sein, andererseits sollen sie auch die nötige Festigkeit haben, um den problemlosen Transport und Auf - und Abbau zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten die Kulissen auch platzsparend gelagert werden können.

Welche Materialien benutzt man da?

Früher hatte ich riesige Bilderrahmen angefertigt und diese "Stellwände" mit Stoff bezogen. Der Nachteil hierbei ist, dass sie beim Transport leicht beschädigt werden können und ein Riss in der Leinwand ist schwer zu reparieren. Also montierte ich dünne Sperrholzplatten auf die Rahmen, was die Dinger aber sehr schwer machte.

Durch Zufall bin auf ein neues Material gestoßen. Es heißt Karton. Diese Kartonplatten gibt es in ganz unterschiedlichen Größen. Von einem befreundeten Dekorateur habe ich einen ganzen Posten dieser Platten, die für eine Weihnachtsdeko im Kaufhaus verwendet wurden für kleines Geld aufgekauft. Diese Platten sind "vier" cm dick und absolut verwindungsfrei. In der Festigkeit kommen sie fast an Holz heran. Sie sind an der Vor und Rückseite mit einer robusten Kunststofffolie kaschiert und sie lassen sich bequem mit der Stichsäge in jede Form schneiden. Ich habe sie aus Transportgründen auf die Maße 2,10m auf 1,10m zurechtgekürzt. Damit man sie miteinander verbinden kann, brauchen sie auf der Rückseite eine Holzrahmenarmierung. So kann man sie mit Zwingklemmen später zusammenhalten. Zwischen jedem Element ist unten eine Holstütze - ein sogenannter „Schuh“ mit der sie auf dem Boden stehen. 12 von diesen „Holzschuhen“ müssen angefertigt werden, passgenau in der Aufnahme, damit die Elemente auch „press“ sitzen. Hinten wird der Schuh etwas beschwert oder kann, wenn der Bühnenboden es zulässt auch verschraubt werden. Die rückseitige Holzrahmenarmierung wird von zwei Seiten verschraubt und mit Unterlagsscheiben versehen, damit sich die Schrauben nicht durch das (innen) weiche Material drücken. Nach diesem Arbeitsvorgang werden die Elemente mit Stoff bespannt. Wichtig ist, dass der Stoff vorher mit einer dünnen Kleisterlösung eingeweicht wird. Dadurch vergrößert er sich zwar vorrübergehend (ist aber unbedingt notwendig) und wird im nassen Zustand rückseitig an die Holzarmierung getackert. Nach dem Trocknen nämlich zieht sich der Stoff (Baumwollnessel) nochmals zusammen und sitzt dann erst bombenfest. Jetzt kann der Stoff problemlos bemalt werden und "wirft" sich auch nicht nach dem Kontakt mit der Farbe.

Mein Bühnenbild soll eine Mauer im Innenhof einer Burg darstellen. Meinen Recherchen zufolge gibt es zwar Dekostoffe mit einer Pflastersteinoptik aber das ist alles zu regelmäßig. Also habe ich im Internet zuerst nach Mauern gesucht und mir diese Bilder als Gedankenstütze ausgedruckt. Dazu brauchte ich noch ein extra Fensterelement für die "Romeo und Julia - Balkonszene". Und nicht zuletzt die Guillotine, die ich nach vorher angefertigten Skizzen ebenso aus Kartonplatten gebaut habe. Das Bemalen wurde zu einer Geduldsprobe. Jeder einzelne Stein musste gemalt werden. Selbst mit einer zeitsparenden Schwammtechnik eine Schinderei.

Materialverbrauch

Insgesamt habe ich fast 1000 Klammern vertackert und mindestens ebenso viele Spaxschrauben eingedreht. Ich brauchte 25m Nesselbaumwollstoff und etliche Tuben Abtönfarbe. Nicht zuletzt 10L Fassadenfarbe zum Mischen. Bislang sind 48 Arbeitsstunden angefallen. Weitere 15 werde ich noch brauchen, um alles fertig zustellen.
Ich habe ein paar Fotos gemacht vom ersten Arbeitsgang bis zum fertigen Bühnenelement.

Gruß vom Hans



Rückseite mit Holzarmierung
(leider hat der Blitz hier nicht richtig funktioniert und das Bild hat eine Farbverzerrung)



Zuschneiden der Nesselbahnen - Einkleistern - danach wird die Platte gedreht und der Stoff festgetackert.



Mitte Rohling schon verschraubt - links das Fensterelement



Linke Bühnenwand mit Fensterelement als Zusatzaufbau
Hintere Bühnenwand mit einem Torelelement für Auf und Abgänge



Die Guillotine mit dem Styroporfallbeil

norbert

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2

Freitag, 10. September 2010, 22:19

high, hans,
klasse, wie sich das projekt mehr und mehr weiterentwickelt!!
die kulissen sehen geil aus - ich freu mich schon auf die bilder, in denen die kulissen mit leben - sprich: schauspielern -
komplettiert wird!
weiter so!!
lieber gruß
cobert

Joame Plebis

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3

Samstag, 11. September 2010, 10:24

Schönen Tag, Hans! Nur achtgeben und nicht zündeln, damit Deine Arbeit nicht in Flammen aufgeht.
Würden da nicht einig rostige Ketten dazupassen, die ich habe? Spinnennetze wären leichter zu liefern. Das sieht ganz alles nach großem Aufwand auf wirkt eindrucksvoll. Fehlen nur noch einige gefesselte nackte Statisten in einem Eck, möglichst ausgemergelte Gestalten.

Gruß
Joame

Hans Beislschmidt

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4

Dienstag, 21. Dezember 2010, 17:08

danke für eure Kommentare und Anregungen. Auf schwere Gewichte (Ketten) muss ich verzichten, obwohl es die auch in leichtem Plastik gibt (... aber teuer). Ausserdem muss alles platzsparend gelagert und transportiert werden können.

Das Bühnenbild ist soweit fertig. Ich habe insgesamt 25qm Fläche verbaut und bemalt. Das hat mich gerade in den letzten Wochen nochmal voll in Anspruch genommen. Am 28.12. ist die erste Hauptprobe in Kostüm und Requisite und spätestens dann muss alles fertig sein.

Die Arbeit seht ihr unten. Die Bühne ist 6 x 5 m groß. Die Guilliotine musste ich auch noch mal überarbeiten, weil der Kopf bei der alten Version nicht richtig durchrutschte. Die Sitzhocker, Kochstelle und der kleine Tisch sind ebenfalls aus Pappkarton und zugleich Lagerbehältniss für die Kleinrequisiten.

Leider bin ich nicht mehr zum Dichten gekommen, war halt sehr zeitaufwendig. Witzigerweise kann ich den Text, obwohl er doch zum großen Teil von mir ist, immer noch nicht auswendig. Wenn man eine Szene umstellt und sie wird neu arrangiert, ist plötzlich auch der Text weg ... hehe ...aber da gehts mir nicht anders, als den anderen Schauspielern.

Gruß vom Hans






5

Dienstag, 21. Dezember 2010, 18:47

sieht das toll aus, hans!


das hat richtigen ritter-schwank-flair!
da warst du echt mega-fleißig und das ergebnis kann sich echt sehen lassen!!!


lieber gruß,

keinsilbig

Hans Beislschmidt

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6

Dienstag, 21. Dezember 2010, 23:06

yep, danke liebe keinsilbig ...

ich hab mir altes Mauerwerk aus dem Net runtergeladen und vorab einen Ausdruck mit verschieden Steinen gemacht. Anhand dieser Vorlage hab ich mich dann ans Werk gemacht. Zuerst hab ich Stein für Stein gemalt und versucht die Eigenarten der Oberfläche darzustellen. Das macht man aber nur bei den ersten 10 qm ... hehehe .... danach wird es Routine und man weiß, wie Stein-Mauer funktioniert und man arbeitet nach System, das heißt, man verwendet gewisse Farbtöne oder Schattierungen auf Vorrat und macht mehrere Steine gleichzeitig. Das bringt etwas Zeitersparnis. Am Schluss kommt der Firniss mit einem trockenen Schwamm und wenig hellbrauner Farbe. Der Schwamm wird auf die Leinwand geschlagen, dadurch entsteht der Eindruck eines Meisels und dessen Abschlagkante. Trotz allem eine zeitaufwendige Geschichte. Man muss es aber für SO EIN Theaterstück machen, weil das Stück einzigartig ist und man nicht mit irgendwelchen Sachen vom Sperrmüll daherkommen kann. Nur so bekommt das Bühnenbild, allein durch die durchgängige Verwendung des ein und dasselben Materials ein homogene Einheit.


Gruß vom Hans

7

Mittwoch, 4. Juli 2012, 16:17

Hallo!
bin durch Google auf diesen Beitrag gestoßen... und habe noch einen vielleicht hilfreichen Hinweis. Ein weiteres hervorragendes Material für Bühnenwände ist XPS (extrudiertes Polystyrol). Ist eigentlich ein Dämmaterial, gibt's in jeder Baustoffhandlung für wenig Geld (2 - 8 cm Stärke), wiegt sehr wenig und ist stabil. Bei unserer letzten Aufführung habe ich das 2cm Material einfach auf die bestehenden Kieferrahmen geschraubt. Nächstes Jahr will es mit stärkeren Platten mal ganz ohne Rahmen versuchen.
XPS lässt sich kleben, schrauben, sauber sägen, schneiden, streichen, tapezieren usw.
Einen Steineffekt kann man sehr schön hinbekommen, in dem man die Platten mit WENIG Verdünner bestreicht. Die Oberfläche wird verätzt und erhält eine schöne, steinartige Oberfläche.
Und zum Modellbau von Requisiten taugt es auch noch.
Vielleicht hilft's jemandem...
Gruß
DampfHans

kaktusfeige

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8

Samstag, 14. Juli 2012, 08:43

lieber hans,

mir persönlich (als mensch mit zwei linken händen) nötigt das ausmaß dieser handwerkliche leistung jede menge ehrfurcht und respekt ab. ( weshalb ich diesen beitrag zwar schon längst gelesen habe, aber kaum etwas dazu sagen konnte. )

du als praktiker und selfmademan errreichst erstaunliches mit deinem learnig-by-doing-konzept! ich gratuliere dir!
schön, dass du die hiebei gewonnenen erfahrungen auch mit anderen teilst.

ich ziehe es aber ( wohlweislich blamagen vermeidend) weiterhin vor, solche sisyphus- arbeiten leuten mit mehr pioniergeist und handwerklichem geschick zu überlassen! ^^

mit bewundernden blicken,
die katusfeige

Hans Beislschmidt

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9

Samstag, 14. Juli 2012, 13:59

es muss ja nicht immer perfekt sein ... meine Version ist es ja auch nicht :D , sondern der Verhältnismäßigkeit der Mittel angepasst. In dem neuen Verlagsmanuskript des deutschen Theaterverlages habe ich ganz bewußt diese Erstellungshistorie zum Schluss angefügt, um so den interessierten Amateurbühnen bei der Umsetzung zu helfen. Ich möchte ja selbst auch, dass mein Stück aufgeführt wird. Ansonsten gebe ich aber auch Dinge, wo ich nicht sicher bin gerne in andere Hände - so z.B den Mitschnitt und die Erstellung der DVD etwa, denn nur dadurch konnte ich zwei Kurzversionen bei You Tube einstellen.

Die Polystrolplatten wären auch eine Option gewesen ... die Kartonelemente habe ich damals für kleines Geld von einem befreundeten Dekorateuer eines Kaufhauses gekauft.

Gruß vom Hans

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