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Sonntag, 7. Oktober 2018, 20:19

Was ist Dichtung?

Fahles Herbstlicht scheint auf meinen Schreibtisch im Arbeitszimmer, an dem ich Aphorismen in das Notizheft eintrage. Zuweilen wechselt mein Blick zu den Sternen und zur Kerze auf dem Schreibtisch. Und dazwischen protokolliere ich mir alles, was mich bewegt und mir wichtig erscheint.

Hm, ich bin kreativ mit Worten, aber was heißt das überhaupt?

Diese Frage bedrückt mich seit ich dichte. Angefangen habe ich mit etwa 15 Jahren. Habe ich seitdem keine Antwort gefunden? Nein, im Gegenteil. Es waren etliche. Doch jede erfordert Respekt und auch die gleiche Anerkennung. Ist das gerecht?

Ich ziehe die Stirn kraus. Jede meiner Antworten ist typisch für die Abschnitte meines Lebens, in dem sie mir eingefallen sind. Heißt das, ich achte neue Antworten höher als ältere? Zählen alte Antworten nicht mehr, nur weil meine Lebensuhr eine andere Stunde schlägt?

In diesen Momenten wünschte ich, Philosoph zu sein, dann könnte ich abwägen, gerecht urteilen. So aber hantiere ich nur mit Begriffen und Bildern – ein Poet eben …

Mein Blick schweift ab und streift den Wecker vor mir. Er ist sonderbar, weil er seit Jahren kaputt ist, auch fehlen seine Zeiger. Ich würde ihn auf den Müll werfen, stammte er nicht aus meiner Kindheit.

Da kommt mir ein alter Volksspruch in den Sinn, der besagt, dass auch eine Uhr ohne Zeiger stets die richtige Zeit anzeigt, eben weil sie zeitlos ist. Zugegeben, die Logik dahinter ist nicht einfach und mag auch der Stimmung einer silbergrauen Mondnacht geschuldet sein. Vielleicht ist das mit Aphorismen ähnlich? Sie wecken bei Lesern Interesse, weil sie günstig gestimmt sind und ihnen die passende Zeit schlägt?

Was ist Dichtung? Eine Uhr ohne Zeiger, die Lesern immer die richtige Stunde anzeigt.

Doro

Fortgeschrittener

Beiträge: 298

Wohnort: Burglengenfeld

Beruf: SAP Consultant ABAP Development,aber jetzt im Ruhestand

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Dienstag, 9. Oktober 2018, 11:47

Hallo Wolfgang,

dieser Text von dir gefällt mir ausnehmend gut. Er beschreibt die Auseinandersetzung eines Autors mit seinem Schreiben sehr anschaulich und autentisch. Auch die autobiografischen Reminiszenzen klingen und gut mit. Das Fazit, in einem poetischen Bild zusammengefasst, schließt das Ganze gut ab.
Sehr gerne gelesen.
Freundliche Grüße, Doro.

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