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Sonntag, 19. August 2018, 17:56

Auf der Suche nach dem Geist

Diogenes galt als geistreicher Mann – und wo er nur konnte – suchte er den Geist. Vornehmlich in geistigen Getränken. Weshalb er stets einen großen Weinkrug mit sich führte.

Einmal besuchte ihn Alexander der Große und fragte: „Gratulierst Du mir, dass ich zum Oberfeldherrn aller Griechen gewählt wurde? Dein Lob, das Lob eines großen Denkers, würde mir viel bedeuten!“

Diogenes fühlte sich geschmeichelt und wollte Alexander gratulieren, stattdessen entfuhr ihm ein Rülpser.

Alexanders Gefolge war empört und forderte eine sofortige Bestrafung. Doch Alexander beruhigte sie: „Er ist ein Philosoph, sicher hat er etwas Bedeutendes gesagt, nur wir haben nicht verstanden.

Sein Gefolge verstummte und verharrte voll Spannung. Da wendete sich Alexander erneut an Diogenes, den großen Denker, der neben seiner Tonne wie ein Zwerg wirkte, und fragte: „Hast du vielleicht einen Wunsch, den ich dir erfüllen kann?“

Diogenes stellte den Krug ab und versuchte Alexander zu sich zu winken, aber sein Arm gehorchte nicht und er bekam ihn nur auf und ab. So wagte er einen letzten Versuch und wollte Alexander „Sonne Griechenlands“ nennen, stattdessen lallte er nur: „Sonne! Sonne!“

Alexander blickte ratlos zum großen und berühmten Philosophen und dann zu seinem Gefolge, aus dem sich Hephaistion, sein bester Freund, zu Wort meldete: „Ich vermute, du sollst ihm aus der Sonne gehen.“

„Das ist ja empörend!“, regte sich Alexanders Gefolge auf, doch Alexander blieb ruhig und überlegte. In der Zwischenzeit ermüdete Diogenes, ließ sich auf seinen Rücken fallen und begann laut zu schnarchen.

Da erhellte sich Alexanders Gesicht, so, als habe er verstanden, und er sagte: „Seht diesen Philosophen! Von mir könnte er Gold, Frauen und Villen haben, aber stattdessen begnügt er sich mit einer Tonne und alles, was er sich wünscht, ist das Licht und die Wärme der Sonne. Wäre ich nicht Alexander, wäre ich gern Diogenes!“

Doro

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Sonntag, 19. August 2018, 18:19

Die Begegnung von Alexander und Diogenes mit dem berühmten "geh mir aus der Sonne", kannte ich schon. Du hast das jetzt ganz anders ausgestaltet. Diogenes ist schwer betrunken und hat nicht gerade das Auftreten eines tiefen Denkers. Alexander ist erstaunlich duldsam und will Diogenes gar nicht sehen, wie er sich hier präsentiert. Er lässt sich den großen Denker nicht demontieren, nicht einmal von diesem selbst. Ja, was würde aus uns, wenn unsere Ideale vor der Wirklichkeit zerbrechen ohne jeden Ersatz?

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Sonntag, 19. August 2018, 18:42

Der Text ist eine Parodie. Wir hatten letztens über Satire gesprochen, das hat mich angestachelt. Unabhängig davon: dass Menschen sich etwas vormachen, ist mir schon lange aufgefallen - an mir und anderen. Daraus ergibt sich ein Zwiespalt aus Illusion und Realität. Ein Zwiespalt, den ich - als Thema - als nutzbringend empfinde.

Was ich noch erwähnen kann: Diogenes war ein Säufer und ein Exhibitionist. Man hat sich aber daran gewöhnt, ihn immer nur als Denker zu beurteilen. Sagen wir so: Er war kein Idiot, aber er war auch nicht der edle und reine Denker, der ausschließlich ein Innenleben geführt hat.

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