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Mittwoch, 21. Februar 2018, 17:28

Recht auf literarische Unsterblichkeit?

Literatur ist ein Jungbrunnen, der Autoren unsterblich jung hält. Zumindest glauben das nicht wenige Autoren. Wer sollte ihnen widersprechen, wenn sie mit ihren Büchern Erfolg haben? Wer auch sollte dem Autor, der keinen Erfolg hat, widersprechen? Vielleicht ist er ja nur ein verkanntes Genie? Nichts Genaues weiß man nicht! Protest scheint unangebracht, wie ein Pickel auf der Nase. Was ein rechter Autor ist, der bringt den Willen zum eigenen Buch auf und nutzt es dann als Sprungbrett ins Reich der ewigen Jugend. Der Philosoph Descartes war völlig im Unrecht, als er zu behaupten müssen glaubte: Ich denke also bin ich. Besser hätte er gesagt: Ich schreibe, also bin ich. Was, angesichts der Tatsache, dass man ihn noch kennt und zitiert richtiger gewesen wäre.

Der bloße Wille des Autors – was für eine göttliche Macht!

Aber leider war Descartes nicht der Erste und nicht der Letzte, der Literatur falsch beurteilte. Ihm zur Seite standen – die Autoren selber. Paul Heyse, glaubte ein würdiger Nachfolger Goethes zu sein, und gewann 1910 sogar den Nobelpreis für Literatur. Damals bewunderte ihn das Publikum als Künstler in vollendeten Maßen und heute ist das Interesse an ihm in allen Maßen vollendet. Literatur – Brunnen, der manche ewig jung hält, das heißt, so lang sie selbst jung sind. Mag die Literatur selbst zeitlos sein, gilt das nicht für das Interesse des Publikums, das – launisch und tückisch – mal dies Thema vorzieht, oder mal jenen Stil huldigt, oder mal Gefallen an diesen Ansichten findet. Der Weg, den das Interesse des Publikums geht, ist mit Leichen von Autoren gepflastert.

Kurz: Es gibt Autoren, die ewig jung bleiben. Wir lesen noch immer Homer, der 850 v. Chr. gelebt hat oder Shakespeare, der 1564 geboren wurde. Dass sie jung sind, ist gewiss, jedoch von den neuen und neueren Autoren kann man das nicht eindeutig behaupten. Zwar kann man hoffen, dass einige nicht dem Geschmack des Publikums zum Opfer fallen werden, doch kann man nicht vorhersagen, wer das sein wird. Nichts Genaues weiß man nicht. Mit strahlender Gewissheit lässt sich nur sagen, dass man schreiben muss, will man in Erinnerung bleiben. Das gilt für die Literatur, als auch für die Philosophie, die auch eine Geisteskunst ist. So wissen wir von Sokrates nur deshalb, weil sein Schüler Platon über ihn geschrieben hat. Der bloße Wille des Autors ist weder göttlich noch mächtig.

Was ist der Jungbrunnen der Literatur? Der ewig neue Leser.