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Dienstag, 1. August 2017, 18:06

Der kleine Berthold

Familie Geißbock im Zoo. Der kleine Berthold, genannt Bubi, ist zum ersten Mal dabei. Entsprechend groß seine Aufregung. Von Käfig zu Käfig stürmend, drängt es ihn zu erfahren, was für Tiere er grade sieht. Die Eltern sind nicht minder aufgeregt, aber aus Sorge darum, wie sie Bubi ruhig halten sollen. Und dann will Bubi, weil Neugierde und Aufregung Hunger und Durst verursachen, Zuckerwatte und süße Getränke. So fügt die Mutter sich in ihr Schicksal und macht sich auf den Weg zu einem Kiosk, weil man "den Vater nichts heißen kann".

Kaum ist die Mutter weg, ruft Bubi: "Was ist denn das?" Und dabei zeigt er auf eines jener Tiere, vor dessen Gehege sie stehen. Das Tier, auf das Bubi zeigt, besitzt große Ohren, einen Rüssel und trötet.

Der Vater sagt: "Das ist eine unartige Fliege."

"Aber Fliegen sind doch ganz, ganz, ganz klein?"

Der Vater hebt Bubi auf den Arm, tritt näher an das Elefantengehege und beginnt:

"Wenn Fliegen unartig sind, zieht man ihnen die Nase lang. Daraus wird dann ein Rüssel. Siehst du?"

Bubi formt seinen offenen Mund zu einem großen "o".

"Und wenn die Fliege noch immer unartig ist, kommt erst ihr linkes Ohr dran, dann ihr rechtes. Und wenn sie dann noch immer nicht verstehen will, dann wird ihr auch der Rest lang gezogen."

In dem Moment kommt die Mutter, beide Hände voll mit Zuckerwatte und einer Dose Cola.

"Na ihr zwei, amüsiert ihr euch?"

"Mami! Mami!", ruft Bubi, "Ich weiß jetzt woher die Elefanten kommen."

Die Mutter erbleicht, schickt dem Vater grimmige Blicke zu und sagt eisig:

"Er ist doch erst fünf. Du hättest ihn auch später aufklären können."

Der Vater hofft das Eis, mit einem Lächeln zu erwärmen. Aber vergebens. Die Mutter bleibt hart. Bubi indessen wundert sich bloß, warum Mutti auf Papi böse ist; allerdings bringen ihn Zuckerwatte und Cola rasch auf andere Gedanken. Bei der Giraffe ist er zudem derart abgelenkt, dass er nicht hört, wie seine Mutter droht, sie werde auf der Stelle kehrt machen, und Bubi mitnehmen, falls der Vater noch einmal "unvernünftig" sein sollte. Bubi hingegen zupft seinen Vater immerzu am Ärmel, zeigt auf die Giraffen und ruft immer wieder: "Schau mal, ein unartiger Hamster!"

Das Lächeln des Vaters zeigt dann aber doch Wirkung und die Mutter wird ruhiger und entspannter. Sie lächelt sogar einmal. Doch auch davon bekommt Bubi wenig mit. Er tanzt in der Sonne und wuselt von Käfig zu Käfig. Schließlich aber fordert seine Mahlzeit ihren Tribut. Bubi muss rasch auf den Topf.

"Das mache ich!", entscheidet die Mutter, nimmt Bubi in den Arm und lässt den Vater allein zurück, der nur den Kopf schüttelt und die Arme vor der Brust verschränkt.

Als Bubi und Mutter wieder zurück sind, bummeln sie weiter.

"Das verspricht ja doch noch ein angenehmer Tag zu werden", versucht der Vater ein Gespräch. Die Mutter überlegt erst und sagt dann entspannt: "Stimmt, könnte ein wohlbehaltener Tag werden."

Plötzlich bleibt Bubi stehen, rennt zum Tigergehege und greift durch den Zaun hindurch.

"Berthold!", ruft die Mutter eilt zu ihrem Sohn, zieht ihn vom Gitter weg und klatscht ihm links und rechts eine. Schon ist der Vater zur Stelle und hält ihre harten Schläge zurück. Berthold hingegen ist außer sich: er schreit, weint und trampelt mit beiden Füßen auf den Boden.

"Was soll den schlimm sein", schreit er, "an einer unartigen Maus?"

Der Mutter fällt das Kinn herab. "Was genau soll das heißen?"

Berthold wischt sich die Tränen am Ärmel seiner Jacke ab, zeigt auf eine der Tiger und schreit:

"Dieses Tier da ist doch bloß eine unartige Maus, der man den Körper lang gezogen hat."

Diese Antwort bringt den Vater zum Lachen. Die Mutter hingegen schaut eisig, erst auf Berthold, dann auf den Vater.

"Das hat er von dir - stimmt` s?" Und dann mit Tränen in der Stimme: "Ich habe einen Trottel als Sohn!"

"Nein", widerspricht der Vater und er klingt dabei sachlich-nüchtern: "wir haben einen Sohn, der mit Fakten einen kreativen Umgang pflegt. Zudem verrät das Lebensfreude."

"Die hat er aber nicht von mir!"

"Stimmt auffallend."

Alle schweigen, auch Bubi. Dann setzen sie den Zoobesuch weiter fort. Allerdings ohne die Mutter, die sagt nur etwas von "Schicksal" und marschiert in die entgegengesetzte Richtung.