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Montag, 3. Juli 2017, 11:28

Warum die Eingebung bei Kunz einen Termin braucht

Ein Kumpel sieht mich am Straßenrand hocken und in das Notizbuch schreiben, das ich auf den Knien liegen habe. Er gesellt sich neben mich.

„Eingebung?“

„Richtig.“

„Wie bekommt man die?“

„Indem man mit Bedeutungen spielt.“

„Bedeutungen – von was?“

„Von Begriffen. Etwa: Eingebung.“

„Und das bringt ...?“

„Zum Beispiel: Eingebung liegt überall auf der Straße. Wer sich danach bückt, hat Glück.“

„Das kann jeder behaupten. Und es trifft nicht immer zu.“

„Ist auch nur ein Spruch.“

„Wie bist du darauf gekommen?“

„Eingebung überkommt einen in der Regel, was aber, wenn man danach suchen muss, etwa, indem man sich danach bückt?“

„Verstehe, der Spruch ist aber trotzdem blöd.“

„Eingebung ist keine Garantie für Weisheit.“

„Wieder ein Spruch?“

„Nein, eine Feststellung.“

„Gibt es ein Rezept für Eingebung?“

„Indem man mit Worten und deren Bedeutungen spielt. Oder auch, indem man Bedeutungen umkehrt.“

„Bring noch ein Beispiel mit Eingebung.“

„Puh – Eingebung ist einfallslos.“

„Klingt so wie der vorherige Spruch. Ich glaube, du bist kein Dichter ...“

„Auf die Eingebung zu warten, ist einfallslos.“

„Zu selbstverständlich.“

„Erst zu absurd, dann zu selbstverständlich ...“

„Bist du jetzt Dichter … ?“

„Die Welt sprudelt vor Themen über, wer einfallslos sein will, braucht dazu viel Eingebung.“

„Das war jetzt die Umkehrung?“

„Richtig. Wer kreativ sein will, muss mit der Bedeutung der Worte spielen oder sie umkehren.“

„Klingt einfach.“

„Dann versuch es doch!“

„Hm … Eingebung … „

„Oder was anderes.“

„Schon gut. Eingebung also … Eingebung ist, wenn ich dazu Lust habe.“

„Klingt absurd. Eingebung überkommt einen doch.“

„Aber wenn ich dazu keine Lust habe?“

„Eingebung braucht bei mir einen Termin.“

„Hahahaha – ist aber ebenfalls absurd.“

„Stimmt. Aber selbst dafür gibt es eine Lösung.“

„Du meinst damit noch eine Umkehrung? Oder ein anderes Spiel?“

„So ähnlich: Sprüche eignen sich für Anekdoten. Ist ein Spruch zu absurd, um als Spruch zu taugen, lässt er sich vielleicht in eine Anekdote umwandeln.“

„Wie das?“

„Für Anekdoten braucht man drei Zutaten: Eine Situation, eine Figur und einen passenden Spruch.“

„Einverstanden. Lass hören!“

„Hinz trifft Kunz, wie er gerade am Straßenrand hockt. „Wartest du auf Eingebung?“, fragt er Kunz. „Nein, die braucht bei mir einen Termin!“ Und als Titel könnte man nehmen: Kunz und die Eingebung.“

„Warum nicht: Die Eingebung und Kunz?“

„Stimmt – das klingt interessanter. Also: Die Eingebung und Kunz.“

„Ich glaube, ich verstehe langsam, woher Eingebung kommt. Aber die Ergebnisse überzeugen nicht immer.“

„Eingebung ist ein Rohstoff, ähnlich einem Metall, das man verarbeiten muss, indem man es erhitzt und es mit Hammerschlägen formt, bis man – sagen wir – ein Medaillon geformt hat, das man sich – als Kette – um den Hals hängen kann.“

„Dann wäre Eingebung ein Schmuckstück.“

„Richtig: Eingebung ist die Vorderseite der Medaille, die man sich selbst geschmiedet hat.“

„Den finde ich jetzt gut.“

„Prima, dann bin ich auf deine eigenen Sachen gespannt.“

„Ich auch! Ich auch!“

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