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Hans Beislschmidt

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Donnerstag, 6. April 2017, 11:33

in zehn Tagen acht Menschen hinrichten

US-Bundesstaat will in zehn Tagen acht Menschen hinrichten lassen – weil das Gift abläuft

Was ich Du ihr macht und richtet, ist weniger von Belang. Der Staat aber hat eine höhere moralische Ebene und ist eine übergeordnete Instanz. Wer angesichts solcher Wertigkeit die Kostenfrage ins Feld führt, scheint ähnlich gestrickt wie die Mehrzahl des amerikanischen Volks. Ungebildet, brutal und egoistisch.

Das Land hat aber durch die letzte Wahl gezeigt, wo es steht. Wenn Kalifornien (erwirtschaftet ein Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung) eine Abspaltung aus dem Staatenverbund anstrebt, ist das schon vielsagend. Richtig ist auch, dass nicht in allen Staaten der USA die Todesstrafe gilt, denn hier sind die einzelnen Staaten souverän (not everywhere is Texas). Das macht auch den Unterschied zu Deutschland oder anderen europäischen Staaten aus. Die USA ist lediglich ein Zusammenschluss von einzelnen Staaten und dieser Zusammenschluss kann auch wieder aufgekündigt werden, so sieht es das Gesetz vor.
Das Thema war aber die Todesstrafe und ich habe mir früher wenig Gedanken gemacht über die Wertigkeit. Aktuell, wo in der Türkei der Ruf nach Wiedereinführung der Todesstrafe erklingt, frage ich mich, welche Begründung ein zivilisiertes Land anführen könnte, um diese Barbarei zu rechtfertigen. Und da gibt es keine Begründung meiner Meinung nach. Wenn man die Geschichte der USA reflektiert, erkennt man sehr schnell, dass diese Eroberung niemals ohne Blutvergießen und „Ausrottung“ der Ureinwohner möglich gewesen wäre. Gerechterweise muss sagen, dass diese Landvereinnahmung vor der Unabhängigkeitserklärung stattfand und sich Engländer, Schweden und leider auch Deutsche die Finger schmutzig gemacht haben. Das mag auch der Grund sein, warum die meisten Amerikaner anders ticken als wir. Mit dem Anspruch „that`s gods own country“ glauben sie wohl im Sinne eines religiösen Sendungsbewusstseins handeln zu können. Alttestamentarisch gesprochen heißt das „Auge um Auge – Zahn um Zahn“. Ich finde das nur bestialisch und bigott.
Ich habe dieses Land einmal gemocht, bin mit Amerikanern groß geworden und auch heute spreche ich diese Sprache fließend. Meine besten Freunde waren Amerikaner und ich habe sogar an den Vietnamkrieg als notwendiges Übel geglaubt. Aber seit Afghanistan hat Amerika mehr als jedes andere Land dazu beigetragen die Welt zu destabilisieren und es ist an der Zeit diesem Treiben Einhalt zu gebieten und dazu gehört auch die Verurteilung der Todesstrafe.

Wenn wir dahin kommen, dass unsere Rechtssysteme an andere Kulturen angepasst werden können, ist eigentlich alles verhandelbar. Es ist keine Form der Selbstüberschätzung, wenn wir im westlich, aufgeklärten Sinne unserer Kultur und Entwicklung eine freiheitliche und selbstbestimmte Form des Rechtssystems in Europa vorziehen. Ich sage dies auch vor dem Hintergrund der westlichen Philosophen (Kant, Spinoza, Jaspers etc.), welche die Axiome unseres Rechtsverständnisses geprägt haben und in unserem Grundgesetz verankert sind. Und das hat absolut nicht damit zu tun, ob man an einer roten Ampel stehen bleibt oder nicht. Toleranz gegenüber anderen Rechtssystemen, bleibt davon unberührt, nicht aber die Beurteilung und Bewertung. Sollen andere Staaten ihre Verurteilten mit Giftspritzen, Kopfabschlagen, Erschießungskommandos oder Hängen an Kränen ins Jenseits befördern – ich sage, dass solche Praktiken nicht in mein Weltbild passen und Ausdruck von Verrohung sind. Und genau deswegen werde ich nicht in die USA etc. fahren – weil es für mich Dinge gibt, die nicht verhandelbar sind.

Das Universum zu verstehen, ist keine mathematische Herausforderung, weil wir im wissenschaftliche Sinne viel zu beschränkt sind. Ein übergeordnetes Wesen entzöge sich der Annahme Atome zu zählen, ähnlich wie ein Gottesbeweis als Einschreibebrief mit Rückantwort. Nein, so läuft es nicht – wollen wir eine Sinnhaftigkeit in unserem Denken und Handeln erkennen, müssen wir zurück zu den Anfängen – unserer Geburt und landen automatisch bei Schopenhauer (der Weltwille), weil Barmherzigkeit im Menschen von Anfang an angelegt ist und nur durch Erfahrung verwässert. Es geht also um das Gefühl als Weiterentwicklung von Wahrnehmung und das lenkt den Blick auf Adorno („würde aus dem Denken die letzte Spur von Gefühl getilgt, hätten wir nichts mehr, was dem Denken Anstoß gibt). Und genau hier setzen wir an mit unserem Rechtsverständnis, mit unserer Begrifflichkeit von Gut und Böse. Eine Urteilsfindung, die mit einer Tötung endet, hat nichts mehr mit Barmherzigkeit und Gefühl zu tun – es ist die Summe von fehlgeleiteten Erkenntnissen, die in eine Welt der Barbarei führt. Fallbeispiele oder Gleichnisse bringen uns da nicht weiter, denn wenn wir in der Lage sind ganz tief in uns hineinzuhorchen, können wir die Signale erkennen. Ob wir uns daran aufrichten, ist eine andere Ebene.

die Negierung, auch Infragestellung eines „Ich“, ebenso der Vorgang und Definition des Denkens überhaupt, impliziert im Absoluten: - das Nichtvorhandensein des „Sein“.
Nun gut, im Ansatz haben sich schon Hegel und Schelling darüber den Kopf zerbrochen.
Mag sein, dass Einflüsse davon sich bei den Wachowskis (Matrix) oder Fassbinder (Welt am Draht) neuzeitlich eingeschlichen haben. Ich bezweifele aber, dass es ein übergeordnetes Sein gibt, welches sich die Mühe einer solchen Lebenschimäre machen würde.
Die Kognition sagt mir eher, dass alles „Sein“ schon in der Grundanlage existent war und ist und sich fortwährend als konvulsivisches Sporenprogramm ausdehnt. Nicht linear wohlgemerkt, sondern in einem steten Ordnung-Chaoswechsel.
Kann schon sein, dass ich zu naiv an die Gewichtung des „Seins“ herangehe aber dieses gefühlte „Sein“ macht mich versöhnlich gegenüber dem Zustand der Endlichkeit.

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