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Montag, 6. März 2017, 19:54

Morgenstund – das ist immer dann, wenn mich nicht mehr das Bett umklammert!

(Von Sprichwörtern, Anti-Sprichwörtern, Klo-Sprüchen und Anti-Weisheiten.)

Sprichwörter sind Stichwörter. Sie passen zu allen möglichen Gelegenheiten, wenn auch nicht immer in die jeweilige Zeit. Ein in Deutschland sehr verbreitetes Sprichwort lautet: „Morgenstund hat Gold im Mund.“ Wer früh morgens leicht aus den Federn kommt, kann zeitiger mit seiner Arbeit beginnen und erreicht mitunter rascher seine Ziele, sowohl beruflich, als auch privat. Dem Frühaufsteher winkt der Erfolg – oder mit anderen Worten: Morgenstund hat Gold im Mund.

Nun ist aber nicht jeder Frühaufsteher am Gold des Morgens interessiert. Es soll Leute geben, die zu sehr früher Stunde, extrem giftig sein können. Und diesen Zustand halten sie lange durch. Kann man sie dann endlich ansprechen, ist schon wieder Bettzeit. Solche Ekel kämen nie auf die Idee, Gold vom Morgen zu verlangen. Gibt`s für diese Situationen keine Sprichwörter? Doch – na klar! Ein Stichwort kennzeichnet ja, dass es passt. Sprichwörter, die nicht zeitgemäß sind, können angepasst werden. Es sind dann keine Sprichwörter, sondern Anti-Sprichwörter. Und das Schöne daran – jeder kann selbst Anti-Sprichwort-Dichter werden!

Was sagen wir zu einem Ekel, der schon morgens Gift versprüht? Morgenstund hat Gift im Mund! Auf diese Weise haben wir das Sprichwort angepasst. Sprichwörter sind Stichwörter!
Klar sollen und dürfen Sprichwörter für eigene Anti-Sprichwörter benutzt werden. Aber, es gilt auch: Sprichwörter sind Stichwörter und Stichwörter sind Stechwörter. Ja, Sprichwörter können stechen; es ist dann der Fall, wenn sie mehr als nur Lust am Spiel verraten. Sprichwörter eignen sich nämlich gut für politische Zwecke. Was kann man nicht alles mit dem Wort „Vaterland“ anstellen! Dazu Beispiele: Vaterland – Schandfleck der Welt; Vaterland – Mörderbrutstätte; Vaterland – Vorhof zu Hölle usw. Es lassen sich beliebig viele Variationen auf „Vaterland“ finden. Im 18. Jahrhundert sprach man übrigens noch von: „Ehre, Freiheit, Vaterland.“ So ändern sich die Zeiten. Dazu könnte man, um im Bild unsrer Morgenstunde zu bleiben, sagen: Morgenstund ist mit Hauen und Stechen im Verbund. Aber nur da, wo sich morgens zwei finden, die sich ihre Launen gegenseitig mit Sprichwörtern an den Kopf werfen. Und meist sind das Leute, die erst ansprechbar werden, wenn Bettzeit ist!

Wo findet man Anti-Sprichwörter? Meist dort, wo sie hinpassen: auf der Toilette. Anti-Sprichwörter werden auch „Klo-Sprüche“ genannt. Auf dem Klo des Mannheimer Hauptbahnhofs kann man etwa das Anti-Sprichwort bewundern: „Morgenstund hat braune Wurst im Mund“. Eklig, aber es steht just über dem Spülknopf – also passend. Und ecklig! Weitere Orte sind: Schulbänke, Hauswände oder das Internet. Im Grunde könnte man selbst in der Hölle Sprüche an die Wand malen. Etwa so: „Die Hölle ist der einzige Ort, wo der Teufel das Kommando führt“, sagt der Teufel. Das Schöne an dem Spruch: Deswegen kann man nicht mehr in der Hölle landen!

Aber Ernst beiseite! Es gibt Wissenschaftler, die sich mit Sprichwörtern befassen und darüber sogar Bücher schreiben. Einer davon ist Wolfgang Mieder, der für Bücher bekannt ist, wie: „Sprichwörtliche Aphorismen“ – so der Titel eins seiner klassischen Werke, in dem er untersucht, wie Aphoristiker mit Sprichwörtern umgegangen sind. Aphoristiker sind Profis im Erfinden von Anti-Sprichwörtern. Unter ihnen finden sich erlauchte Namen, wie Goethe oder Kraus. Wer jetzt erschrickt, weil er diese Namen nicht kennt – macht nichts. Bildung wird überschätzt – wenn auch meist von Leuten, die keine haben. Aus dem Grund nennt man Klo-Sprüche auch gerne Anti-Weisheiten.

Anti-Sprichwörter, Klo-Sprüche, Anti-Weisheiten – uff! Da kann einem ja der Kopf schwirren. Ja, aber daran erkennt man, was Parömiologen im Kopf haben. Auch etwas, von dem ihr nie gehört habt? Das ist die Berufsbezeichnung von Leuten, wie Wolfgang Mieder. Ihr meint, das ist nun genug an Bildung? Na gut – dann lasst uns ans Ende kommen.

Wie Anti-Sprichwörter sich anpassen lassen, erkennt man auch jetzt, am Ende meines Textes. Ich habe mit der Morgenstund angefangen, also höre ich auch mit der Morgendstund auf. Das Thema lässt sich beliebig variieren.

Für Leute, die morgens Raketen sind:

Morgenstund hat Anti-Sprichwörter im Mund.


Für morgendliche Giftspritzen:

Morgenstund hat Anti-Sprichwörter im Mund –
aber die behält sie für sich.


Oder auch:

Morgenstund mit Giftspritzen im Mund,
ist extrem ungesund.


Wer jetzt Lust an Anti-Sprichwörtern bekommen hat, kann selbst zum Stift greifen. Viel Spaß!

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