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Samstag, 10. Dezember 2016, 21:58

Postfaktisch ist ein Code der oberen Zehntausend, um über uns zu sprechen

Überlegungen zum Wort des Jahres 2016

Umschreibungen sagen mehr über denjenigen aus, der umschreibt, als über das, was umschrieben wird. Wer bei "umschreiben" an "umgehen" denkt, ist auf dem richtigen Weg.

Wovon ich rede? Vom Wort des Jahres 2016. Es heißt: "postfaktisch" und ist eine Umschreibung, die zu Überlegungen anregt.

Postfaktisch ist ein Kunstwort

In unserer Zeit ist alles Mögliche postfaktisch: Gesellschaft, Politik, Sprache und vieles, vieles mehr. Ist ein Wort auf beliebig viele Beispiele anwendbar, besagt es was? Nichts! Und tatsächlich ist unser postfaktisch nur heiße Luft, das nichts besagt. Es ist ein Kunstwort, entstanden aus dem Englischen, wo man Post Truth sagt, oder auf Deutsch: abseits der Wahrheit. Sprechen wir von postfaktisch, ist damit ein simpler Umstand kompliziert umschrieben. Abseits der Wahrheit ist ein Ausdruck, den Sie und ich verstehen, aber bei postfaktisch müssen wir erst im Duden nachschlagen.

Doch vorsicht! Man sollte dem "postfaktisch" keine Gewalt antun, es kann für seine Urheber nichts. Aus diesem Grund lass ich jetzt das postfaktisch postfaktisch sein und überlege mir lieber, warum in unserer Gesellschaft solche Wörter nötig sind.

Kanzlerin Merkel sprach bereits im September 2016 von "postfaktischen Zeiten". Ich fand das extrem passend. Unpassend fand ich nur, dass sie dabei nicht über sich und ihre Politik gesprochen hat. Auf wen passt denn "postfaktisch" wie ein Hut auf den Kopf?

Wir Bürger lassen uns kein X für ein U vormachen

Wenn ich das so erkläre, schütteln höher Gestellte mit dem Kopf. Gemeint sind nicht "die da oben", es sind "die da unten" angesprochen, also wir Bürger, wir kleine Leute. Wir misstrauen Politiker, die "A" vorgeben und "B" tun, wir misstrauen Medien, die Ursachen für Probleme verschleiern und alle möglichen Scheingründe nennen, wir lassen uns kein X für ein U vormachen. Das aber passt "den da oben" nicht, also drehen sie den Spies herum und nennen uns gefühlsbetont, verrückt, launisch und lügnerisch. Oder mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriels Worten: "Pack!"

Merkels Ära nähert sich dem Ende

Übertreibe ich? Nicht wirklich. Wenn die Ära Merkel, die 2005 begann, etwas offenbart hat, dann ist es ein gewaltiger Riss zwischen "denen da oben" und "denen da unten". Unter Merkel stieg die Zahl der Arbeitslosen, während immer mehr Leute unterbezahlte Arbeit haben und Rentner im Müll nach Pfandflaschen suchen müssen, weil ihre Rente sie nicht ernähren kann. Unter Merkel sind Worte nur heiße Luft. Ich will jetzt nicht alle Versprechen aufzählen, die Merkel gebrochen hat, es soll genügen an ihr fehlendes politisches Profil zu erinnern. Merkel steht nicht für Inhalte, sondern nur für Macht.

Merkel ist keine verlässliche Politikerin

Merkel versucht immer das Bild eines verlässlichen Politikers abzugeben, aber sie hat schon so viele Male ihre Meinung, wie ein verbrauchtes Hemd gewechselt, dass sie unberechenbar geworden ist. Nur in einer Hinsicht ist sie vorhersehbar: Sie will Kanzlerin bleiben. Auf dem jüngsten Parteitag der CDU in Essen bat sie alle Delegierten: "Ihr müsst mir helfen!" Das war insofern bezeichnend, weil sie das nicht zu uns, dem Volk gesagt hat, sondern zu den Delegierten. Ich vermute: Merkel weiß, dass sich ihre Ära dem Ende nähert. Und jetzt greift sie nach jeder Hand, die ihr entgegengestreckt wird.

Mag sein, dass ich es mir einfacher mache, als es real ist. Aber der gesellschaftliche Riss erkennt ein Blinder mit Krückstock. Auch brauche ich kein Prophet zu sein, um zu wissen, wohin das führen wird. Darum erwähne ich bloß nebenbei, dass Merkel, nachdem sie erneut zur Kanzlerkandidatin gewählt worden war, den Delegierten in den Rücken gefallen ist, als sie nach dem Beschluss des Parteitags zur doppelten Staatsbürgerschaft erklärte, sie denke nicht dran, sich an diesen Beschluss zu halten. Aber Hauptsache: Sie wurde als Kanzlerkandidatin wieder gewählt!

Postfaktisch ist ein Code der oberen Zehntausend, um über uns zu sprechen

Was hat das alles jetzt mit dem „postfaktisch“ zu schaffen? Vereinfacht gesagt: Es ist ein Code, den sich Intellektuelle ausgedacht haben, um einfache Leute, auf ihre Gefühle zu reduzieren, weil sie nicht offen für Lügen und Halbwahrheiten sind. Zu Sklaven, die nicht parierten, sagte man, die seien „ungehorsam“. Dabei hatten sie nur ihren eigenen Willen. Und uns sagt man nach, wir seien „postfaktisch“. Auch wenn der Vergleich schief ist, enthält er doch ein Körnchen Wahrheit. Und er zeigt, dass Geschichte sich wiederholt. Ich schätze, die feinen Damen und Herren der Gesellschaft werden entzückt sein, dass sie einen neuen Ausdruck für uns haben. Erst waren wir „Prolls“ und jetzt sind wir es wieder, wenn auch mit einem anderen Wort.

Ich will aber nicht den feinen Damen und Herren Unrecht tun. Die Medien sind an den postfaktischen Zeiten nicht ganz unschuldig. 2015 reisten Menschen nach Deutschland, die als "Flüchtlinge" tituliert wurden, dabei waren es Migranten und Wirtschaftsflüchtlinge. Und wer das zu sagen wagte, wurde als "intolerant" und "Fremdenfeind" diffamiert. Allgegenwärtig war Merkels "Willkommenskultur". Es war vor allem der Verdienst der Medien, dass andere Meinungen - wenn überhaupt - nur auf Demos gehört wurden. Einseitige Berichterstattung trägt in Deutschland viele Namen: Bild, Spiegel, FAZ und Süddeutsche Zeitung und ... und ... und ...

Und alles, weil wir Bürger unseren eigenen Willen haben? So will mir scheinen. Klarer gesprochen -oder anders gesagt: Wir machen einfach nicht das, was die oberen Zehntausend von uns erwarten. Aus dem Grund sind wir "Pack" oder "Proll" oder "postfaktisch". Und da sich immer weniger Leute, von wem auch immer, gängeln lassen wollen, leben wir frei nach Merkel: "in postfaktischen Zeiten". Aber wenn sie es sagt, klingt es nach "Inferno". Ich weiß jetzt nicht, ob sie damit die Auswirkungen ihrer Politik auf uns meint, ober prophetisch auf ihr Ende als Kanzlerin blickt? Ich hoffe sehr, dass sie damit Letzteres meint!

Wir dürfen uns nicht länger umgehen lassen!

http://www.sueddeutsche.de/kultur/eil-po…ahres-1.3287168
http://www.focus.de/politik/deutschland/…id_5977538.html
http://www.giga.de/extra/social-media/ne…eicht-erklaert/
http://www.deutschlandfunk.de/cdu-partei…ticle_id=373386

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Wolfgang« (10. Dezember 2016, 22:44)


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