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Freitag, 30. September 2016, 21:27

Vor-Gedanken zu den Olympischen Spielen 2066

Da die Olympischen Spiele morgen feierlich eröffnet werden, sei es mir gestattet, einige rückblickende Anmerkungen zu machen und einen optimistischen Vorausblick zu wagen.
Die Sportwelt wurde in den letzten Jahrzehnten von umwälzenden Neuerungen geprägt. Die älteren Sportbegeisterten können sich sicher noch erinnern, dass im Jahr 2032 erstmalig das Doping freigegeben wurde.
Ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Zuschauer waren es leid Tage-, Wochen-, Monate- oder auch Jahre-lang zu warten, bis der Sieger eines Wettkampfes feststand. Mitunter wurden Medaillengewinner acht Jahre später nachträglich disqualifiziert. Das war ein unhaltbarer Zustand. Der Zuschauer will nach Abschluss eines Wettkampfes wissen, wer gewonnen hat.
Der Entscheidung zur Dopingfreigabe gingen langwierige und heftige Debatten voraus.
Auf der einen Seite standen die Kritiker, die gesundheitliche Risiken bei den Athleten befürchteten.
Auf der anderen Seite argumentierten die Befürworter, dass Hochleistungssport immer gesundheitsschädlich ist, und, dass das Doping-Gespenst ohnehin nicht mehr in die Flasche zurückbefördert werden könne. Der Sport müsse Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Nur so könne der Zuschauerschwund aufgehalten werden. Und schließlich wolle man die Athleten nicht entmündigen, indem man ihnen Vorschriften bezüglich der Substanzen, die sie zu sich nehmen dürfen, mache. Die Zeit sei reif für den selbstbestimmten Sportler, der selbst wisse, was seinem Körper zuzumuten sei. Damit wurden allen Athleten gleiche Chancen eingeräumt. Das Mindestalter, das zur Teilnahme berechtigt, wurde auf 18 Jahre erhöht, um Jugendschutzbedenken Rechnung zu tragen. Es wurden die ersten freien Spiele für freie Athleten.

Der „Märtyrerwettbewerb“ wird sicher wieder die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit „Märtyrerwettbewerb“ ist natürlich die Sportart, die im offiziellen Sprachgebrauch Borrocia heißt, gemeint. Von Spöttern wurde sie infolge ihrer hohen Todeseintrittswahrscheinlichkeit für die Sportler nur als „Märtyrerwettbewerb“ bezeichnet. Diese Bezeichnung hat sich bis zum allgemeinen Sprachgebrauch hochgearbeitet und wird heute durchaus ehrerbietig angewandt.
Die Idee zum „Märtyrerwettbewerb“ entstand zufällig beim Fallschirmkunstsprungwettbewerb, der 2048 neu eingeführt wurde. Der Sprung des französischen Teilnehmers begeisterte nicht nur die Zuschauer. Auch die Wertungsrichter waren derart beeindruckt, dass sie ihn trotz der missglückten Landung auf den ersten Platz wählten. Und so wurde ihm Gewinn zuerkannt, obwohl er beim Aufprall tödliche Verletzungen erlitt. Eine posthume Medaillenverleihung hatte es bis dato nicht gegeben. Die fünfjährige Tochter des verstorbenen Gewinners nahm die Goldmedaille entgegen. Die Medien stürzten sich auf dieses Ereignis und führten beim Publikum zu einem Olympia-Fieber. Und zu Gedanken beim Olympischen Komitee, ob man die Ausrichtung der Spiele nicht eventuell um eine dramatische Komponente erweitern könne. Radstürze alleine seien auf Dauer nicht gut genug um das Publikum bei der Stange zu halten, wurde ausgeführt. Weiter wurde argumentiert, dass man so auch die einseitige Ausrichtung auf Griechenland überwinden könne. Auch die Traditionen Roms gehörten zur Sportgeschichte im Speziellen und zum weltweiten Kultur-Erbe im Allgemeinen.
Heftige Diskussionen folgten. Bei einer Abstimmung innerhalb des olympischen Komitees konnten sich die „Dramatiker“ nur mit hauchdünner Mehrheit durchsetzen. Und so wurde 2052 die Hochrisikosportart Borrocia, die aus den drei Disziplinen Wing-Suit-Fliegen zwischen Felswänden, Cliffdiving aus 40 Meter Höhe und Freeclimbing an schwierigen Bergen besteht, ins olympische Programm aufgenommen.
Menschenfreunde stellten die Frage, ob denn die Zuschauer Wettbewerbe, bei denen die Wahrscheinlichkeit von Todesfällen derart hoch sei, überhaupt sehen wollen. Diese Frage wurde bei den nächsten Spielen eindrucksvoll beantwortet: Sie wollten. Die „dramatischen“ Disziplinen zeichneten sich durch ein explodierendes Zuschauerinteresse aus.

Die Spiele stehen heute besser da als jemals zuvor. Und sind auch reichhaltiger als jemals zuvor. Hier treffen Hochtechnologie, Körperkraft, Konzentration und Geschicklichkeit zusammen. Vom Pfeil-und-Bogen- bis zum Drohnenschießen, vom Radfahren bis zur Formel 1, vom 100-Meter-Sprint bis zum Marathonlauf, von der rhythmischen Sportgymnastik bis zum Rugby wird alles geboten, was das Zuschauerherz höher schlagen lässt. Mögen die Spiele beginnen. Ich freue mich darauf!

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Samstag, 1. Oktober 2016, 21:14

Lustig geschrieben.