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Samstag, 26. September 2015, 19:20

Über die Selfiedemokratie

„Demokratie ist manchen bloß ein notwendiges Übel auf ihren Wegen zu Ruhm und Ehre.“
Wolfgang Luley

Das Selfie ist eine Mode unserer Zeit. Wer eine Kamera hat und einen Internetzugang, der stellt sich zur Schau, wobei viele dieser Selbstbildnisse eher geknipse als Kunst sind. Sicher, bei Frauen fällt auf, dass sie anzüglich sind und so einen erotischen Effekt erzielen, der ansprechend sein kann. Männer, soweit ich das beurteilen darf, bleiben selbst hinter solchen Effekten zurück. Trotzdem erfreut sich das Selfie allgemeiner Beliebtheit. Wäre ich ein Künstler, hielte ich mich an die großen Meister, was anderes ist das Selfie nämlich als ein Selbstporträt. Oder sollte ich eher sagen: der Versuch dazu. Ein Selfie kann sicher nicht mit gemalten Selbstporträts von Rembrandt oder van Gogh konkurrieren, es könnte nur mit Porträts anderer Fotografen genannt werden, etwa mit Cindy Sherman. Aber selbst hierzu taugen viele der veröffentlichten Knipsereien nicht. Es scheint, als liege der Reiz eines Selfies im Versprechen seiner Schnelligkeit. Mach dich bekannt – mit einem Klick! Und wer möchte nicht fix Millionen erreichen! Das Netz bietet dazu X-Möglichkeiten. Indessen: Selfies reizen mich nicht. Das mag einerseits seinen Grund darin haben, dass auch ich keine Effekte erzielen würde, außer der von allgemeiner Heiterkeit oder auch nur Mitleid; auf der anderen Seite: Mein Anspruchsdenken ist nicht riesig genug. Wer Selfies von sich zur Schau stellt, hat den Anspruch gesehen zu werden, worin viele wiederum die Möglichkeit sehen, prominent werden zu können. In der Tat gibt es viele Prominente, etwa „It-Girls“. Man weiß nicht, wer sie sind und wofür sie stehen, aber ihre Bilder werden im Netz geteilt und man sieht sie überall, sei es in Zeitungen oder im Fernsehen. Und natürlich haben sie auch zu allem eine Meinung, sei es zu Wirtschaft, Politik oder Gott und die Welt. Natürlich gibt es auch die männlichen Prominenten, die kein Stück besser sind. Ich frage mich dann oft, worin die Qualifikation dieser Leute besteht? Sicher, ein jeder kann Meinungen zu allerlei Themen haben, sollte er das aber? Ich etwa habe null Wissen über Atomphysik – und obendrein dazu kein Talent. Warum sollte ich also darüber reden? Und: Warum sollte mir jemand dabei zuhören wollen? Gut, ich habe übertrieben, die Prominenten reden nicht über so Themen, die Wissen und Fakten benötigen, sie reden allgemein. Sie reden über ihre Gefühle und ihre Gedanken, die ihnen bei Themen einfallen – wer sollte ihnen dabei widersprechen! Das wäre etwa, als wollte man sich über Geschmack streiten – einfach sinnlos. Was bleibt, ist der Anspruch, mit wenig Talent, bekannt zu werden und die selbstproduzierte Bekanntheit als öffentlicher Laufsteg für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. So haben wir ein immerwährendes Schaulaufen von Modepuppen, die alle irgendwie gleich aussehen und Meinungen vertreten, die alle austauschbar sind. Ein Atomphysiker nennt solche Leute vielleicht: Sprechautomaten – und er hätte damit nicht unrecht. Andererseits: Wenn man nicht auf den Inhalt dieser Sprechautomaten achtet, dann sieht man sie auch in der Politik, die für etliche Männer und Frauen auch nur ein Laufsteg ist. Es gibt Leute, die wittern überall das Versprechen rascher Bekanntheit. So sind dann das Land und die Moden dieser Zeit.

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