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Dienstag, 2. Juni 2015, 20:57

Wie der TV-Sender Tele 5 für Terror, Diktatur und Tod wirbt

Wie der TV-Sender Tele 5 für Terror, Diktatur und Tod wirbt



Mal ehrlich: gehört Mut dazu, auf Deutschlands Straßen seine Stimme für Homosexuelle und für Transgender zu erheben? Ich meine diese Frage nicht als Floskel.

Wir leben in Deutschland, dem Land, in dem Homosexuelle alljährlich ihre Christopher-Streetday-Parade feiern können. Wir leben in einem Land, in dem Transgender eigene Toiletten bekommen. Was braucht es da an Mut, für diese Menschen auf die Straße zu gehen? Antwort: keine. Und doch!

Es gibt Leute, denen ist Toleranz nicht genug, sie wollen Akzeptanz. Und es gibt Leute, die einfach nur dumm reden. Pardon: Es gibt Leute, die sich in der Rolle von Menschen gefallen, die Toleranz zur Religion erhoben haben. Und von diesen Leuten rede ich jetzt.

Der TV-Sender Tele 5 wirbt neuerdings für „Toleristen“. Wenn sie dabei an Terroristen denken, ist das keine falsche Deutung. Tele 5 meint es aber anders. Dem Sinn von Tele 5 nach: Gestern war Toleranz – heute ist Tolerismus. Das also ist der neue Gott für all jene, denen es nicht genügen will, Menschen und Dinge ihren Frieden zu lassen. Nein, sie müssen hinaus in die Welt, die für sie auf den sicheren Raum Deutschlands beschränkt ist, und die absolute Toleranz predigen. Man stelle sich vor, ein Homosexueller oder Transgender würde in Saudi-Arabien auf die Straße gehen und dort den Käse erzählen, den uns Tele 5 erzählt. Die Folge wäre: Man würde ihn enthaupten. Das klingt jetzt witzig, ist es aber nicht. Islamische Länder haben andere Vorstellungen von Toleranz. Und an dem Punkt krankt das Konzept des Tolerismus. All jene, die von Toleranz nicht genug bekommen, leben diese Toleranz bei uns aus, und brauchen keinen Widerstand zu befürchten.

Aber gut, ich will diesen Umstand nicht überstrapazieren. Zu den bekanntesten Toleristen gehören momentan noch Komiker, etwa Oliver Kalkofe, der für Parodien auf schlechte Fernsehsendungen bekannt ist. Seine Einstellung ist schlicht und ergreifend: Man solle einander nicht auf den Sack gehen und jeder könne in Frieden mit dem anderen leben. Der Nachwuchskomiker Aurel Merz, stellt sich die Frage, ob man als Tolerist Deutschland toll finden könne und bejaht diese Frage, da in Deutschland bereits viele Toleristen beheimatet seien, und er wolle, dass das so bleibe. Ich will jetzt nicht alle Komiker aufzählen, die zu diesem Thema noch ihren Senf dazugegeben haben. Will man all die Aussagen dieser Menschen auf den Punkt bringen, lautet ihre Botschaft: Anders ist besser. Da frage ich mich, wenn das stimmt, warum die Toleristen dann nicht für Rassisten und Nazis sind? Die Botschaft lautet doch: Anders ist besser. Also ist in einem Land voller Toleristen …

Wie ich auch darüber nachdenke: Ich kann den Tolerismus nicht ernst nehmen. Das liegt nicht bloß an den Komikern, die uns Zuschauer über Toleranz aufklären wollen, es liegt auch am Tolerismus selbst. Die Endung „-ismus“ sagt doch schon alles. Hier wird Toleranz zur totalitären Ideologie verzerrt, die – was absehbar ist - in Tugend- und Meinungsterror mündet. In diesem Zusammenhang finde ich gut, was einmal der Philosoph Slavoj Zizek sagte. Er meinte: „Je mehr Toleranz es gibt, desto stärker wird die repressive Homogenität“. Oder auf Deutsch: Übertriebene Toleranz führt zu Terror, Diktatur und Tod.

Wenn man es also genau betrachtet, redet uns Tele 5 ein, dass Terror, Diktatur und Tod gut sind. Sie sind gut, weil sie anders sind, denn was anders ist, ist gut. Im Umkehrschluss heißt das: Wer gegen Tod, Diktatur und Terror ist, hat in Deutschland nichts verloren. Und all das erzählen uns Komiker, die wir für ihre Witze lieben. Das ist Realsatire, wie ich sie in meinem Leben noch nie zuvor erlebt habe. Ganz ehrlich: Ich fühle mich von Tele 5 beleidigt.

Im Übrigen betrachte ich Toleranz als ein Geben und Nehmen. Wer toleriert werden möchte, muss sich entsprechend verhalten. Ich toleriere keinen, der mich ausnutzt. Einseitige Toleranz führt nur zur Bevormundung durch diejenigen, die über Gebühr toleriert werden. In einem der Beiträge heißt es: „Keine Toleranz für Untolerante.“ Gerne ergänze ich noch: Weder Toleranz für Untolerante noch für überdrehte Tolerante.

Eingang fragte ich, ob Mut dazugehöre, für Homosexuelle und Transgender auf die Straße zu gehen? Die Antwort lautet natürlich: nein. Ich drehe die Frage aber um: Gehört Mut dazu für echte Meinungsfreiheit und Demokratie auf die Straße zu gehen? Wenn Tolerismus sich noch viel weiter ausbreitet: ja.

Ich bin lieber normal als Tolerist!