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Montag, 9. März 2015, 13:21

Deutschland - war das nicht mal was?

Deutschland - war das nicht mal was?


Deutschland ist ein baufälliges Gebäude mit einer Regierung im obersten Stock, die Geschichten über eine bessere Zukunft erzählt, während alle anderen Bewohner entweder mitspielen und selbst auch Märchen erzählen, sich enttäuscht abwenden oder zusehen, wie der Putz von den Wänden bröckelt.

Deutschland - war das nicht mal was?

Vor einiger Zeit lief in der Sendung "Monitor" ein Bericht über Hartz-IV-Empfänger. Es entsprach so gar nicht dem Bild, das sonst in den Medien verbreitet wird. Hartz-IV-Empfänger, das sind doch diese Leute, die mit dreckigen und löchrigen Klamotten den ganzen Tag auf der Couch liegen, anstatt sich um eine geregelte Arbeit zu bemühen. Wie es scheint, ist das ein Vorurteil. Zumindest, wenn man der Sendung "Monitor" glauben schenken will.

Die Märchen beginnen schon bei der Arbeitslosenstatistik, in der Alte, Kranke und Ein-Euro-Jobber nicht erwähnt werden. Wozu auch, dies zeigte doch bloß, wie hoch die Statistik wirklich ist. Und da müsste sich die Regierung dumme Fragen gefallen lassen, etwa: warum sie untätig ist? Sie denken, dass faule Hartz-IV-Pack soll gefälligst seinen Hintern erheben und sich eigenständig bemühen? Was, wenn genau darin das Problem besteht? Sie glauben es nicht? In dem Bericht werden zwei Frauen vorgestellt, Jessica und Rosa. Beide lernen Masseurinnen, nachdem sie jahrelang abhängig von Hartz-IV waren. Mit Beginn ihrer Ausbildung wurden ihnen aber Hartz-IV gestrichen. Begründung: Beide Frauen stünden dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Mit anderen Worten: Wer zu Hause auf der Couch bleibt und sich die Eier schaukelt, der bekommt Geld. Wer sein Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen will, also seinen Hintern bewegt, muss es ohne Geld vom Staat tun. Pardon, das stimmt so natürlich nicht! Stefan Sell, Professor an der Hochschule Koblenz, erklärt im Bericht, dass der Hauptauftrag von Hartz-IV darin besteht, so rasch als möglich in irgendeine Arbeit zu vermitteln. Die Zukunft sieht dann für einen so aus, dass man sein Leben als Gelegenheitsarbeiter oder Hartz-IV-Empfänger fristen muss. Mal dumm gefragt? Was ist der Hauptsinn der Arbeit? Zu arbeiten oder zu leben? Ist ein Leben, dass nur von der Arbeit - oder von der Suche nach Arbeit - bestimmt wird, noch als Leben zu bezeichnen? Wenn man vom Staat bezahlt wird, dass man auf der Couch sitzt, ist man die Marionette des Staates. Das verstehen aber leider viele Bürger nicht, die nur von "arbeitslosem und faulem Pack" reden. Wer unabhängig, frei und selbstbestimmt Leben will, dem hilft der Staat in keinster Weise. Bittere Ironie für Rosa: Dass sie jahrelang unvermittelt blieb, hat beim Job-Center keinen interessiert. Zwar gibt es einen Zuschuss, wenn man eine Ausbildung anfängt (BAFöG), aber der ist geringer als das Hartz-IV-Geld und ihn bekommt auch nur, wer unter 30 Jahre alt ist. Wer über 30 Jahre alt ist, bekommt nur ein Schulterklopfen und aufmunternde Worte. Sie wenden vielleicht ein, dass Job-Center sehr wohl Ausbildungen anbieten und bezahlen. Sehr richtig. Im Bericht wurde das auch erwähnt. Jessica und Rosa bekamen aber keine. Und von den restlichen Hartz-Empfängern bekamen gerade mal 1 Prozent so eine Ausbildung. Sicher wird man doch mit der Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) reden können? Sicher lässt sich dieses Problem regeln? Pustekuchen! Nahles war für ein Interview nicht zu haben. Sie ließ aber schriftlich ausrichten, das Arbeitsministerium werde dieses Problem mit Hartz-IV und Ausbildung lösen. Irgendwann. Für Jessica und Rosa ist das aber ein schwacher Trost. Es ist absehbar, wo beide enden werden. Mal wieder. Ach ja, Hartz-IV- Bezieher sind natürlich an ihrem Schicksal selbst schuld und obendrein sind das faule Nichtsnutze, die man nur kräftig in den Hintern treten muss, damit sie arbeiten. Wer`s glauben will!

Dazu noch ein persönlicher Gedanke: Wer bezahlt wird, damit er auf der Couch sitzen bleibt, stellt auch keine Fragen, etwa, warum sein Leben so ist, wie es ist. Er fragt auch nicht über den Sinn von Arbeit nach. Und: Er fragt nicht, ob eine Gesellschaft, die Menschen so behandelt, überhaupt Wert ist, weiter zu bestehen. Gut, der letzte Punkt ist vielleicht zu hart ausgedrückt, daher formuliere ich es ein wenig freundlicher: Wer dafür bezahlt wird, dass er auf der Couch bleibt, fragt nicht, was sich in Politik und in Gesellschaft ändern müsste, damit jeder unabhängig, frei und selbstbestimmt leben kann. Aber ist nicht genau dies, was den Sinn eines jeden Lebens mitbestimmt?

In Deutschland verkommen die Straßen, die Schulen, die Bildung, das Gesundheitswesen und das Leben der Bürger. Und was tut die Regierung? Sie erzählt Märchen über eine bessere Zukunft.

Deutschland - war das nicht einmal eine Gesellschaft, die sich gegenseitig half und eine echte Zukunft hatte? Ich glaube schon. Aber von selbst kommt dieser Zustand nicht zurück. Das ist sicher.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Wolfgang« (9. März 2015, 13:42)