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  • »Ringelroth« ist der Autor dieses Themas

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1

Montag, 10. November 2014, 17:29

Kurt ruft an

Kurt ruft an
Ich wache auf. Es ist Montagmorgen halb acht. Ist das herrlich, ich muss nicht zur Arbeit. Hab mindestens ne ganze Woche frei. Mein Gesicht schmerzt ein wenig. Muss wohl drauf gelegen haben. Trotzdem. Ich genieße es, mal nicht mitten in der Nacht aufstehen zu müssen. Wirklich schön… wenn da nicht diese eine Sache wäre…
Und das kam so:
Das Telefon klingelte und riss mich aus meinem samstagnachmittäglichen Schönheitsschlaf. Das Display verriet mir: Kurt ruft an.
–Kurti, wo brennt’s? ,
gähnte ich.
-Moin, Alter,
sagte Kurt.
Kurt machte, seit er vor drei Jahren von Karin geschieden war, jeden Sommer Urlaub an der Nordsee. Seit dem war Kurt friesophil. Mit Tee in der Tasse, Pudelmütze auf dem Kopf, Leuchtturm im Vorgarten und „Moin“ zu jeder Tages- und Nachtzeit.
-Ich denke,
sagte Kurt.
-Wir sollten heute Abend mal wieder ne Hafenrundfahrt machen. Was sagste?
Ich ahnte schon, was kommen würde, als ich seinen Namen auf dem Display las, und checkte im Geiste, noch bevor ich mich meldete, den Inhalt meiner Geldbörse.
-Gute Idee, sagte ich.
-Schnuppern wir mal wieder Seeluft. Um Acht?
-Ay, Käptn. Bin pünktlich da.
sagte Kurt.
Das war er. Nach zehn Minuten Fußmarsch öffneten wir die Tür zur „Pinte“.
Wie lange gilt eigentlich schon das Rauchverbot in Kneipen? Weiß nicht. Aber wenn du in dieser Kneipe dreimal eingeatmet hast, hast du den Rest deines Lebens um drei Monate verkürzt. Die Einrichtung, die Tapeten und Vorhänge hatten mindestens so viel Nikotin intus, wie die Lunge von Altkanzler Schmidt.
Kurt orderte zwei Steinhäger und zwei Pils. Damit der Wirt nicht immer wieder fragen musste, was wir trinken wollten, abonnierten wir die erste Runde bis auf Widerruf. Kurt und ich hatten eine Vereinbarung die besagte, dass wir am Ende die Zeche brüderlich teilten. Nach der dritten Lage beschlossen wir, auf die Rundfahrt zu verzichten und an Ort und Stelle Anker zu werfen. Das hing wohl auch damit zusammen, dass inzwischen eine Handvoll weiblicher Matrosen an Bord gekommen war. Ohne männliche Begleitung.
Der Wirt hatte wohl unser pubertäres Geschiele zum Damentisch bemerkt, und wollte uns was Gutes tun. Ich kann es mir nur so erklären, denn er schob eine CD in den Player. Schlager der 50er und 60er.
Als dann die ersten Takte von „Junge, komm bald wieder“ ertönten, hielt es Kurt nicht mehr auf seinem Hocker. Er steuerte geradewegs auf die fröhlich plappernden Damen zu und schob Sekunden später, kindisch lächelnd, eine hübsche Rothaarige über die knarzenden Dielen. Dann passierte es. Als Freddy davon sang, dass er in jedem Hafen einen Brief von seiner Mutter erhielt, kam ein Pfiff aus den Lautsprechern, die Musik verstummte und eine kleine blaugraue Wolke entstieg der Musikanlage, und verlor sich nach und nach in der alkoholgeschwängerten Pintenluft. Vielleicht war die Elektronik ja mit den Altlasten deutschen Liedgutes überfordert. Ich weiß es bis heute nicht, aber ich dankte ihr damals im Stillen für ihr selbstloses Verhalten. Ich ließ noch eine Lage kommen und Kurt brachte die Rothaarige an ihren Tisch zurück.
-Mann,
sagte Kurt, als er wieder neben mir saß.
-Die Kleine ist Spitze. Scheiß Anlage.
Dann kippte er den gerade angekommenen Steinhäger.
Der Wirt entschuldigte sich, versprach aber, so schnell, wie möglich, seine private Stereoanlage aus dem Wohnzimmer zu holen und anzuschließen. Das klang für mich in etwa so, als sagte mein Zahnarzt: ich gebe Ihnen eine Spritze, dann ist die Wurzelbehandlung völlig schmerzfrei.
-Die ist sicher verheiratet,
sagte ich.
-So gut, wie die aussieht, ist die bestimmt nicht allein.
-Is mir egal,
sagte Kurt.
-Vielleicht is ihr Alter auf Nachtschicht und sie braucht was Warmes im Bett.
Ab einem bestimmten Level kannte Kurt kein Erbarmen.
-Hör auf,
sagte ich.
-Die ist mit ihren Freundinnen hier und will sich nur nen netten Abend machen.
-Is doch mein Rede,
sagte Kurt.
Der Wirt kam aus seiner Wohnung zurück, und die Folter ging weiter.
-Komm, Alter,
sagte Kurt.
-Nimm dir auch eine. Das Fleisch ist warm und willig.
Diesmal startete der Wirt die CD mit dem zweiten Song, weshalb Catarina Valente im Traumboot der Liebe nach Hawaii fuhr.
Ich bekam plötzlich Hunger. Das kam wahrscheinlich von der vielen Seeluft, die durch die Lautsprecher hindurch in die Kneipe drang. Der Wirt bot mir Frikadellen an, die er am Nachmittag selbst frisch gebraten hätte. Ich war einverstanden.
Kurt und seine Rothaarige schauten sich tief in die Augen und drehten sich im Kreis.
Die Fleischklopse schmeckten tatsächlich gut, und als ich gerade den zweiten in Angriff nehmen wollte, ging die Tür auf.
Fünf Kerle kamen herein und steuerten mit Hallo auf den Tisch der Damen zu. Bis auf einen. Der hatte noch keine drei Schritte in den Raum getan, als er Kurt und die Rothaarige erblickte. Ich kann mich noch gut erinnern, dass seine beiden Augenbrauen im selben Moment zu einer einzigen verschmolzen und er seine Lippen aufeinander presste, dass sie weiß wurden. Ich deutete dies als ein Zeichen von beginnender Verstimmung. Als er dann seine zwei Zentner, auf geschätzt ein Meter neunzig verteilt, auf meinen Kumpel und seine Tanzpartnerin zu bewegte, schwante mir augenblicklich nur das Schlechteste.
Rückblickend kann ich mir seinen Missmut nur damit erklären, dass Kurt seine Hände auf dem Hintern der Rothaarigen geparkt hatte, und seine Nase zwischen ihren Brüsten herumschnüffelte.
Dann ging alles ganz schnell. Mit seiner Linken riss er Kurti aus dessen Nahkampfstellung, um ihm mit seiner Rechten einen gezielten Punch auf's Maul zu knallen. Als Kurt nicht gleich zu Boden ging, holte der Große zum zweiten Schlag aus, was ich aber heldenhaft zu verhindern wusste.

-Sie hatten etwas mehr Fortune als ihr Freund,
sagte der Arzt.
-Ihre Nase ist zwar gebrochen, aber das ist ein gutes Stück preiswerter, als zwei ausgeschlagene Schneidezähne.
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Ich bin ein Ver-Rückter. Aber ich mag mich. 8)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Ringelroth« (10. November 2014, 19:45)


Heisenberg

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2

Montag, 10. November 2014, 19:26

... Die Fleischklopse schmeckten tatsächlich gut, und als ich gerade den zweiten in Angriff nehmen wollte, ging die Tür auf.
Fünf Kerle kamen herein und steuerten mit Hallo auf den Tisch der Damen zu. Bis auf einen. Der war noch keine drei Schritte von der Tür entfernt, als er Kurt und die Rothaarige erblickte ...


Noch? Er ging doch in den Raum, von der Türe weg?





Joame Plebis

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3

Dienstag, 11. November 2014, 01:24

Gute Morgenstunde, Ringelroth, Profi!

Wäre ich länger dem Forum fern geblieben, hättest Du noch mehr Zeit gehabt, Dich weiter zu entwickeln. Das aber wusste ich zu verhindern, indem ich einfach herkomme und Dich so wie alle, die es wollen, garantiert keimfrei fest drücke. - Ich war doch lange weg - und das nicht ganz freiwillig.

Ich habe noch keine zwei Seiten hier geblättert, da fasziniert mich auch schon Deine Erzählung. Natürlich habe ich verschwommen in Erinnerung, wie Du zeitweise leuchtraketengleich Ideen versprühst, aber gleich einen Ausschnitt Deines Alltages miterleben zu dürfen, ist doch ein berührender Moment. Ich müsste mich gewaltig anstrengen, um hier mithalten zu können. Deshalb ist jeder Tastenschlag gut zu überlegen. Bis ich mich aber zu einen solchen aufraffen kann, lassen wir es vorerst bei einer herzlichen Begrüßung.

Joame

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4

Dienstag, 11. November 2014, 12:05

Guten Tag Joame,

schön, dass du wieder an Bord bist.

Was soll ich sagen - ich kann mich deinen Worten nur uneingeschränkt anschließen.
Und ich weiß, dass es dir gelingen wird, meiner Leuchtraketenspur deine eigene folgen zu lassen.

Wir werden die trüben literarischen Himmel in einem nie dagewesenen Glanz erstrahlen lassen, und unsere Werke werden
für unsere Leser zu einem unvergesslichen Erlebnis, das noch Generationen von Kritikern die Tränen in die Augen schießen lassen wird.

Lassen wir also die Tastaturen singen, auf dass ihr Lied uns zu Ruhm und Ehre gereicht.

Ich wünsche uns und unseren Lesern Erfolg, Wohlstand und immerwährenden Frieden.


Für deine Worte ein herzlicher Dank und ein ebensolcher Gruß
Ringelroth
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Hans Beislschmidt

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5

Dienstag, 11. November 2014, 20:24

Die Rothaarigen haben's in sich.
Das war natürlich geplant von ihr. Sie wusste, dass ihr Proll-Maker aufkreuzen würde und hat das corpus delicti selbst geliefert, damit sich Muskel-Ede zeigen kann. Bestimmt hält dann seine Erektion länger, wenn er vorm Anale Grande noch das Alphamännchen geben kann.

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Mittwoch, 12. November 2014, 12:11

Ich stelle fest, dass du ein Mann von Welt bist und dich in den emotionalen Höhen und Tiefen
beider Geschlechter bestens auskennst.

Und danke der Nachfrage - meiner Nase gehts inzwischen wieder gut.

Übrigens haben Kurt und ich beschlossen, unsere außerhäuslichen Aktivitäten zu überdenken.
Ab und an ein Videoabend, oder eine Partie Scrabble im eigenen Heim ist auch ganz nett.
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