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Freitag, 7. November 2014, 20:29

Wolf Biermann im Bundestag oder: Ermutigung für kommende Drachentöter!

Wolf Biermann im Bundestag oder: Ermutigung für kommende Drachentöter!


Seit heute hat die politische Peinlichkeit in Deutschland einen Namen: Wolf Biermann. Dem Liedermacher, der nach einem Konzert in Köln nicht wieder in die DDR einreisen durfte, sang heute im Bundestag, auf Einladung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, ein Lied. Wäre es beim Gesang geblieben, müsste ich jetzt nicht in die Tasten meines PC`s greifen und diese Glosse hier schreiben. Insofern: danke, Herr Biermann!

Auf dem amerikanischen Videopartal Youtube kann man ein Video dieses Auftritts sehen; es beginnt mit harmlosen Geklimper auf der Gitarre, steigert sich zu geistigen Aussetzern und endet beinahe versöhnlich, mit einem Protestlied, das der Glorie des Liedermachers noch einmal einen leichten Glanz verleiht. Zum Schluss ist man aber froh, dass er still wird.
Wolf Biermann und sein Auftritt zum Mauerfall-Gedenken im deutschen Bundestag – was sollte das?

Die Idee des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, Wolf Biermann einzuladen, war fast genial. Fast, weil man nicht erwarten kann, einen Biermann einzuladen, in der Erwartung, er werde sich nicht irgendwie über die Mitglieder der Linken im Bundestag äußern. Das wäre ja fast so, als würde die, ebenfalls in der DDR bekannt gewordene Nina Hagen, keine Skandale mehr verursachen. Nina Hagen ohne Skandale ist wie ein Biermann ohne Linken-Kritik. Ich unterstelle Herrn Lammert Vorsatz. Beweisen kann ich`s nicht. Naheliegende Vermutungen aussprechen, wird man aber noch dürfen!

Nun Biermanns geistige Aussetzer: er sei, so Biermann, ein „Drachentöter“. Und in Hinblick auf die Linken im Bundestag, die seien „Reste einer Drachenbrut“. Ähnlich esoterisch folgte dann seine Einschätzung der Partei „Die Linke“, die sei „weder links noch rechts, sondern reaktionär“. Das „reaktionär“ bezog er dann speziell auf die Linken im Bundestag, die, seien der „elende Rest, der zum Glück überwunden ist“. Als Krönung seines geistigen Höhenflugs gab er an, die DDR mit Hilfe seiner Lieder zu Fall gebracht zu haben. Biermann: „Ich habe euch zersungen mit den Liedern, als ihr noch an der Macht wart.“ Das erinnert mich an einen anderen Sänger, der ebenfalls die DDR mit Hilfe seiner Lieder zersungen haben wollte. Wer erinnert sich nicht an den legendären Sänger David Hasselhoff und seine Lieder, die dafür sorgten, dass Honecker zurücktrat, die Mauer einstürzte und Deutschland wieder ein einiges Land wurde. Ich rede natürlich von seinem Hit: Wind of Change! Pardon. Das waren natürlich die Scorpions. Auch sie wollen damals die DDR mit ihren Liedern zu Fall gebracht haben. Echt cool – Mann! Ich weiß nicht, was die für bunte Pillen genommen haben, aber ich will genau die gleichen! Immerhin war Biermann noch so klar in der Birne, dass er Die Ermutigung klar und fehlerfrei singen konnte. Ein Lied, das nach seinen Angaben, in den Gefängnissen der DDR gesungen wurde und so manchen Gefangenen beim geistigen überleben half. Immerhin war Herr Biermann da wieder in der geistigen Spur. Bei den Scorpions und David Hasselhoff bin ich mir hingegen unschlüssig. Aber die blieben uns im Bundestag erspart!

Hier ein kleiner Einschub für meine literaturbegeisterten Leser. (Ich kann mir denken, was es sonst für Kommentare geben wird!) Ja, der Biermann hat ein Stück, Anfang der 70iger Jahre, veröffentlicht. In diesem Stück, mit dem eigenwilligen Namen Der Dra Dra, wird eine Diktatur von Drachen geschildert gegen die sich der selbsternannte Volksbefreier Hans Folk aufbäumt und – welch Überraschung – die Drachendiktatur niederreißt. Was uns Hans Folk, alias Wolf Biermann im Bundestag geboten hat, war der vielleicht letzte Akt seines Kampfes gegen die Drachen, oder das was von ihnen noch übrig ist (Reste einer Drachenbrut). Ja, das kann man so interpretieren. Da aber nicht jeder den Hintergrund kennt, kann man diese Aufführung nur als gaga bezeichnen. Abgesehen davon: welcher Mensch, der geistig auf der Höhe ist, kann ernsthaft behaupten, er habe eine Diktatur „zersungen“.

Für mich war dieser Auftritt die letzte Zuckung eines alten Mannes, der noch einmal an seine Glanzzeit anknüpfen wollte. Noch einmal im Rampenlicht stehen, noch einmal den Atem des Drachen spüren und sich ihm mutig entgegenstellen. Und vielleicht ein letztes Mal von jeder kreativen Kraft schöpfen, die den kleinen Wolf Biermann zum großen Liedermacher und zum Kämpfer gegen alle Drachen dieser Welt gemacht hat. Den jüngeren Zuschauern wird dieser Auftritt sicher im Gedächtnis bleiben. Der alte Biermann aber ist tot und er wird nie mehr zurückkehren, daran kann auch Hans Folk nichts ändern. Nein, was wir heute im Bundestag gesehen haben, war ein Abgesang auf den frühen Wolf Biermann und seine Hoffnung, die jüngeren Zeitgenossen mögen sich seiner erinnern und sich mit seinem Werk beschäftigen. So verkommt der Auftritt von Hans Folk als Selbstdarstellung eines Liedermachers als alter Mann.

Und was Lammert betrifft, von dem man weiß, dass er kein Freund der Linken ist, so ist sein Einfall mit Biermann clever gedacht, als Kritik an den Linken, die er in dieser Form nicht hätte äußern können. Dieser Auftritt von Biermann wird aber eines nicht verhindern können. Die Zeichen der Zeit stehen gut für Dietmar Bartsch und eine mögliche Rot-Rot-Grüne Regierung in Thüringen. Damit wird er der erste Ministerpräsident der Linken in einem Bundesland.

Und Biermann? Von dem wird keiner mehr reden. Einige Junge werden sich vielleicht an ihn als Drachentöter erinnern und auch zur Gitarre greifen. Das mag dem Andenken Biermanns helfen und die Tradition der Drachentötet bis in die Zukunft verlängern, an der realen Politik aber wird es nichts ändern. Es sei denn, er schluckt fleißig bunte Pillen!

Hans Beislschmidt

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Samstag, 8. November 2014, 16:12

Ähmm …. Nicht Dietmar Bartsch, sondern Bodo Ramelow :)

Lammert hat was getan, was landläufig als der berühmte Griff in die Sch…… gilt. Lammert hätte wissen müssen, dass Biermann nicht für die gute Stube taugt; da unterscheidet sich Wolf nicht von seiner Ziehtochter Nina Hagen.

Ich gehöre auch nicht zu denen, die all zu schnell sagen „ es muss ja auch irgendwann mal Schluss sein“. Das gilt für die braune Vergangenheit, genauso wie für die rote. Immerhin sitzen 16 % Linke Abgeordnete im Bundestag, die auch damals in der SED waren. Das Argument von Linke Chef Knut Korschewsky, dass es Tausende SED Parteigenossen gibt, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, ist genauso irrelevant wie das von Baldur von Schirra der seinerseits ähnliches gesagt hatte.
Nur wer Leid und Folter am eigenen Leib erduldet hat, wer noch heute traumatische Zustände bei dem Geräusch von Türenschlagen bekommt, kann nachfühlen, was Biermann und auch Joachim Gauck, neben vielen anderen erlebt haben. Ich kenne Stefan Krawczyk, weil ich einige Konzerte mit ihm ausgerichtet habe. Seine Sichtweise hat er in Liedern und Romanen (aktuell …der Himmel fiel aus allen Wolken 09) zum Ausdruck gebracht. Wenn Norbert Lammert den Stefan Krawczyk eingeladen hätte, dann hätte es aber gehörig gerauscht im Berliner Blätterwald.