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Montag, 4. November 2013, 11:17

Wie Negerpuppen Realsatiren schreiben

Spiegel-Online meldet, das Wort Negerpuppe habe der
Autorin Sarah Kuttner eine Anzeige wegen rassist-
ischer Beleidigung eingebracht. Die Political Correct-
ness treibt weitere Blüten.

Spaßvögel haben den Begriff des maximalpigmentieren
Menschen erfunden. Ist das besser?

Bleiben wir bei dem Grund der Anzeige. Ein Bürger
mit äthiopischen Wurzeln habe sich in seiner Ehre be-
leidigt gefühlt. Ein Wort als Bulldozer, der die blühenden
Landschaften der Ehre zerstört?

Während der Lesung soll der Mann sich ruhig verhalten
haben, erst im Anschluss der Lesung soll er das Gespräch
mit der Autorin gesucht, aber nicht gefunden haben. Die
zwei haben wohl miteinander geredet, aber aneinander
vorbei. Daraufhin habe der Mann, noch an Ort und Stelle,
die Polizei gerufen und Anzeige erstattet.

Nun hat also eine Autorin, die sich über eine Negerpuppe
äußert, die sie als rassistisch empfindet, eine Anzeige be-
kommen, weil sie Rassistin sein soll. Das klingt nach
Realsatire, und doch ist es typisch deutsch. Wir leben in
einem Land, in dem ständig die Nazi-Keule geschwungen
wird, weil – angeblich - dieses oder jenes Wort nicht po-
litisch korrekt sein soll. Wer Zigeunerschnitzel oder
Negerkuss sagt, der setzt sich dem Verdacht aus, eine
braune Seele zu besitzen. Und natürlich fehlt auch keiner,
der daran erinnert, wie Nazi-Deutschland die Gärten der
Welt verwüstet hat. Und diese Schuld sei derart enorm,
dass wir, als Nachfahren dieses Nazi-Deutschlands, noch
heute darunter zu leiden haben sollten.

Zumindest glauben dass die Moralapostel, diese soge-
nannten Gut- und Bessermenschen, die jede Gelegenheit
für ihre Predigten und Standpauken nutzen. Kein Tag
vergeht, an dem nicht festgestellt wird, wie niederträchtig
der Deutsche ist und wie schlimm die Nazis waren und
dass so ein Nackenschlag ins Genick der Menschheit nie
wieder geschehen dürfe. Hitler ist seit über sechzig Jahren
tot, über ihn wird aber so berichtet, als würde er noch leben
und seine Greuel, im Garten der Menschheit, weiter an-
richten. Auch das ist Realsatire und deutscher Alltag.

Nun sind Verbrechen gegen die Menschheit das Eine, aber
verletzte Ehre das Andere. Man kann nicht beides auf eine
Stufe drücken. Das ist Gleichmacherei und wird der Sache,
um die es eigentlich geht, nicht gerecht.
Worum geht es? Ich denke, wer Sprache als rassistisch
wertet, der begeht einen Fehler, er schließt von der Sprache
auf die Gesinnung eines Menschen. Nun weiß man aber,
spätestens seit Karl Marx, dass Menschen sich durch Taten
definieren und eben nicht durch Worte. Worte sind Worte
und Taten sind Beweise.

Sarah Kuttner hat durch ihr Verhalten nach der Lesung ge-
zeigt, dass sie keine Diskussion wollte. Sie hat ihren Stand-
punkt verteidigt und der Mann, der sich beleidigt fühlte,
seinen. So haben beide aneinander vorbeigeredet. Und das
Ergebnis: eine Anzeige.

Hätte die Kuttner gesagt: Du blöder Bambusneger hast mir
nichts zu melden, geh in deinen Urwald zurück, wo du herge-
kommen bist, so wäre der Fall eindeutig. Hat sie aber nicht.
Sie hat lediglich von einer Negerpuppe gesprochen und den
Standpunkt des Mannes nicht ernst genommen. Genau: sie
hat ihn nicht ernst genommen! Ehre hat etwas damit zu tun,
den Gegenüber ernst zu nehmen. Wer diesen Grundsatz
missachtet, kann ihn beleidigen und in seiner Ehre kränken.
Nicht im Strafrechtlichen, wohl aber im gefühlten, Sinne.

Hätte die Kuttner gesagt: ja, ich verstehe dich, man kann
auch eine andere Sichtweise haben; bitte entschuldige. Und
hätte sie ihre Erklärung mit einer witzigen Bemerkung ge-
schlossen, der Mann hätte vielleicht gelacht und ihr noch
einen schönen Abend gewünscht. Doch so...

Es war also eher ihr Verhalten, das der Kuttner zum Ver-
hängnis geworden ist und weniger der Umgang mit der
Sprache. Darum sage ich: Political Correctness ist ein Bull-
dozer, der die Gärten des mitmenschlichen Verhaltens ver-
wüstet. Darum sollten wir mehr über Verhalten und weniger
über Sprache reden. Aus diesem Grund hilft es auch nicht,
von maximalpigmentierten Menschen zu sprechen.

Als Spaßvogel habe ich natürlich noch Sprüche auf Lager,
die ich euch nicht vorenthalten will.

Worte können vernebeln und verletzen, Worte können auch
erheitern und erhellen; aber die Welt lebt von Taten.

Anzeigen sind auch nur Ansichtssache!

Political Correctness ist ein Papagei
der Moralapostel, es weiß nicht wirklich was es predigt.

Moral ist, für Gut- und Bessermenschen, nur ein Spielzeug
oder ein Spiegel. Nicht aber für gute Menschen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Wolfgang« (5. November 2013, 08:56)


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