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Mittwoch, 30. Oktober 2013, 12:01

Aphorismen, 30.10.13

Kunst ist eine Krise zwischen Glaube und Umstand,
ein Krieg gegensätzlicher Vorurteile, oder auch ein
Kampf um das eigene Überleben.


Kunst ist ein Zündholz, an der Reibefläche der Wirk-
lichkeit entflammt es und leuchtet warm und hell; es
ist aber auch eine Gefahr. Beides nennt man: Kultur.


Kunst ist die Parodie der Politik und Politik ist das
Unwesen des Zeitgeistes.


Kunst und Zeitgeist sind Lebensabschnitts-Gegner.


Eine Säge macht noch keinen Handwerker,
ein Schnupfen noch keinen Künstler.


Der Künstler ist ein Krieger des Wortes, ein Krämer
seiner Weltanschauung. Kämpft er nicht, ist er ein
bloßer Kriecher.


Ein Künstler kann ein Kriecher sein,
ein Kriecher aber nur ein kultivierter Barbar.


Politiker sind kultivierte Barbaren.


Mehr Sportsgeist! sagte der Politiker und schlängelte
sich vorbei an Gesetzen.


Mancher Politiker ist wie Pomade: Er ist die Pomade
in den Haaren seiner Partei, oder er ist die Pomade
auf jenem Haar in der Suppe des Bürgers.

Hans Beislschmidt

Administrator

Beiträge: 1 148

Wohnort: Saarbrücken

Beruf: selbstständig

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Mittwoch, 30. Oktober 2013, 14:58

Ein Künstler ist der Gefangene einer freien Zeiteinteilung.
Die Grenze zwischen Nichtstun und warten auf die Eingebung ist fließend.
Das künstlerische Derivat ist manchmal ähnlich einem misslungenen Zaubertrick ....

3

Mittwoch, 30. Oktober 2013, 18:17

Mit Verlaub, ich warte nicht. Ich habe viele Jahre meines Lebens aufgewendet und mir überlegt, was macht eine Idee literarisch. Ich glaube, ich habe die Antwort gefunden. Eine Idee wird literarisch, wenn sie einen Widerspruch enthält. Wenn sie also etwas enthält, was man nicht in diesem Zusammenhang erwarten würde. Als ich mich intensiv mit Aphorismen beschäftigt habe, habe ich einen Kunstdreh kennengelernt; man nennt diesen Dreh: Kontrafraktur. Das klingt nach einem Beinbruch, ist es aber nicht. Karl Kraus hat diese Methode wunderbar beherrscht. Man nehme zum Beispiel ein bekanntes Sprichwort und drehe es auf den Kopf. Das hat Kraus mit dem Sprichwort getan: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Und Kraus machte daraus: Wer anderen keine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Dieses umgedrehte Sprichwort enthält etwas Neues, was man vorher - in diesem Zusammenhang - nicht gekannt hat. Seidem ich das begriffen habe, gibt es für mich keinen Grund, zu warten. Im Gegenteil: seitdem suche ich. Ich suche Zusammenhänge, die jeder als gegeben hinnimmt, und die drehe ich auf den Kopf. Mit meinen jüngsten Aphorismen habe ich nichts anderes gemacht. Allerdings: das mit dem misslungenen Zaubertrick stimmt natürlich. Mir sind schon viele, viele, viele Texte missraten. Ich lasse mich aber davon nicht aus der Ruhe bringen. In der Ruhe und in der Übung liegt die Kraft!

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