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1

Samstag, 19. Mai 2012, 21:32

Wer nicht hören will

Diana war das schwarze Schaf der Familie. Sie behauptete, kein Mensch zu sein, was ihre Familie und Freunde den Kopf schütteln ließ, und doch beharrte sie darauf.


Ihre Eltern widersprachen Diana: Jeder Mensch, sagten sie, sei einmalig, obendrein sei sie ihre Tochter, und darum bereits edel. Aber Diana verneinte.


Ihre Freunde zuckten über ihre Meinung die Schultern. Als Frau habe sie vielleicht mit Sexisten Probleme, aber die seien in der Minderzahl und unglaubwürdig.


Nur ihr Freund schwieg traurig. Er hatte sich eigentlich Kinder gewünscht, war aber ins Schwanken geraten. Insgeheim hielt er sie für unzurechnungsfähig.


Musste man Diana widersprechen? Sie nicht ernst nehmen oder gar bemitleiden? Vielleicht war sie auch nur eine weltfremde Träumerin? Und doch hatte sie Gründe.


Diana war bei der Stadt als kleine Sachbearbeiterin beschäftigt. Sie wusste, dass jeder Mensch eine Nummer trug. Für den Staat waren sie alle nur eine Reihe von Zahlen. Außerdem hatte sie als Jugendliche einen Mann in ihrer Stammkneipe getroffen, der ihr eine Nummer gezeigt hatte; eine Nummer, die ihm Beamte auf den Arm tätowiert hatten. Und die trug der Mann nun sein Leben lang als Schreckensmahnung vor jener Zeit.


Bestürzt hatte sie damals allem und jedem davon erzählt. Aber keiner hatte zuhören wollen, selbst ihre Familie nicht. Lieber erklärten sie sie zum schwarzen Schaf. Eines Tages aber, würde sie ihnen vielleicht Nummern auf den Arm tätowieren müssen. Und wer wäre dann das schwarze Schaf?

Joame Plebis

Fortgeschrittener

Beiträge: 475

Wohnort: Wo man mich duldet

Beruf: Strassensänger, der aus Scham nicht singt

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2

Dienstag, 29. Mai 2012, 18:00

Guten Tag, Wolfgang!

Die Themen der Vermassung, der Verlust der Indivuialität und ähnlich gelagerte Problematik, sind es, mit denen ich mich schon viele Jahre eigentlich nicht herumschlage, da ich weiss, keinen Halm bewegen zu können. Doch mir sind sie nur zu gut bewusst.
Direkte und indirekte Auswirkungen, auch wenn sie nicht auf Anhieb erkannt werden, sind längst vorhanden; wir bekommen sie täglich zu spüren. Ich habe sie nicht, so wie Du, auf direkte Art, in Form einer kleinen Geschichte behandelt.

Zuerst dachte ich, die Lösung für die Behauptung des Mädchens wäre, dass es ausserirdisch sei. Fehl geraten von mir! Es wurde keine der üblichen 'Stories', die es haufenweise gibt, sondern es ist ein ernst gemeinter Hinweis auf einen wesentlichen Zustand, dessen wir nicht mehr Herr werden, der uns aber betrifft. Der Ausgangspunkt liegt schon länger zurück, doch er hat in unserer Zeit eine sich verselbständigende Form großen Ausmaßes angenommen.

Danke mit freundlichem Gruß!
Joame

3

Mittwoch, 30. Mai 2012, 15:25

Hallo Joame,

ob ich mit meinen Geschichten einen Halm bewegen werde, bezweifle ich. Akutell mordet gerade Assad seine Landsleute ab. Das ist bekannt und kann im Netz verfolgt werden. Jeder weiß, dass Assad ein Diktator, Despot und Demagoge ist - aber was passiert? Die Welt sieht zu und staunt, wie ein Mensch nur so böse sein kann.

Nein, ich weiß, dass ich mit meinen Geschichten nichts ändern werde. Das ist auch nicht meine Motivation. Ich schreibe, weil mich vieles aufregt. Ich kann nachts nicht schlafen. Die Welt kommt mir vor, wie ein Irrenhaus, wie die Hölle.

Ich will auch nicht behaupten, dass ich normal sei und verstanden hätte, und das alle anderen verrückt und blind sind. Ich weiß auch nicht, was tun, ich rege mich nur auf und kann nicht ruhen - das ist alles.

Die Geschichte mit Diana ist auch nachts entstanden; der Hintergrund war ein Brief meiner Krankenkasse, dass es neue Ausweise gibt und ich solle ihnen ein Bild von mir senden, denn alle neuen Ausweise bekämen nun Bild ihrer Inhaber; dadurch sollen meine Daten besser geschützt werden.

Ehrlich gesagt leuchtet mir das nicht ein. Ich kann das Wort Sicherheit nicht mehr ertragen. Sicherheit ist nur ein anderes Wort, um Bürgerrechte und Freiheit zu beschneiden. Irgendwann laufen wir alle vielleicht mit einem Chip im Körper umher. Das wäre dann 1984 pur. Ich befürchte, es wird immer schlimmer.

Den letzten Satz Deines Kommentars kann ich nur zustimmen.

Danke und viele Grüße

Wolfgang

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