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Freitag, 2. März 2012, 19:58

Viktoria und Johann III

Im Wohnzimmer. Beide sitzen auf dem Sofa und sind niedergedrückt. Viktoria: Warum so betrübt?
Johann: Ich will die Scheidung.
Viktoria: Was kannst du nicht tun.
Johann: Warum? Du tust doch auch -
Viktoria: (unterbricht ihn) Heute Nacht hatte ich einen seltsamen Traum: ich träumte von Gott.
Johann: Und wie ich dich kenne, hast du bei dieser Gelegenheit das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden.
Viktoria: Nein, ich habe erkannt, dass ich eine Sünderin bin. Ich muss mein Leben ändern.
Johann: Ich gebe dir noch eine Chance, eine letzte.
Verwandlung.
In der Notaufnahme des Klinikums. Viktoria hat zerrissene Kleider und Verbände um Arm und Kopf. Johann ist bestürzt.
Johann: Hallo. Die Polizei hat mich im Büro angerufen, da kam ich so schnell ich konnte her. Ich hoffe, dieses Schwein hat dir nicht all zu Weh getan.
Viktoria: (schluchzt) Ich bin eine Sünderin.
Johann: Sprich keinen Unsinn. Das hat dieses Schwein ganz allein zu verantworten.
Viktoria: Aber ich hatte ein Verhältnis mit ihm.
Johann: Ich dachte, das war ein einmaliges Kapitel und das auch nur aus geschäftlichen Gründen.
Viktoria: (verzweifelt) Ich bin eine Sünderin! Eine Sünderin! Eine Sünderin!
Johann: Also war es nicht so wie die Polizei sagt?
Viktoria: Doch, ich wollte nicht mehr und hatte auch keine Lust mehr nach seiner Pfeife zu tanzen. Schluchzt. Aber davor war es immer freiwillig.
Johann: Trotzdem ist er das Schwein.
Verwandlung.
Im Besuchssaal der Psychiatrie. Viktoria sitzt im Rollstuhl und wirkt völlig apathisch. Johann sitzt ihr auf einem Stuhl gegenüber und bemüht sich um sie.
Johann: Die Ärzte sagen, dir wird es bald besser gehen. Verstehst du? Er zeigt auf den Rollstuhl: gehen! Aber sie zeigt keine Reaktion. Ich glaube auch, dass sich dein Zustand schon bessert. Pause. Doch bis du wieder ganz gesund bist, hat mich das Gericht zu deinem Vormund ernannt. Sie zeigterneut keine Reaktion und schaut apathisch ins Leere. Pause. Übrigens: das Schwein haben sie verurteilt, ich war im Gericht und habe ihm ins Gesicht gesehen. Aber er ist meinen Blicken immer ausgewichen. Daran erkennt man, wie verkommen er ist. Zum Glück hast du nichts mehr mit ihm zu tun. Und du brauchst ihm auch nicht mehr zu begegnen. Nach der Klinik fangen wir zwei nämlich ganz neu an. Irgendwo finden wir schon ein Plätzchen, und dann bist du endlich erlöst - versprochen! Also, reiß dich zusammen und werde schnell wieder gesund. So, ich muss jetzt, aber ich besuche dich morgen wieder. Johann gibt ihr einen Kuss auf die Backe und Viktoria beginnt zu schreien und wild mit den Armen zu fuchteln, als wollte man sie ermorden.
Verwandlung.
Im Wohnzimmer. Johann sitzt allein auf dem Sofa und trinkt Schnaps aus der Flasche. Er ist in einer melancholischen Stimmung.
Johann: (im Selbstgespräch) Schon seltsam, sie wollte sich ändern und dann wirft ihr das Schicksal Knüppel zwischen die Beine. Lacht irre. Sie hat mehr gearbeitet als ich und was hat sie jetzt davon? Und überhaupt, was habe ich davon? Alles Geld gehört jetzt mir. Trinkt. Aber Geld bedeutete mir früher mehr als heute. Pause. Letztendlich ist es nur ein Gefühl, das Sicherheit vorgaukelt. Er stehtauf, dreht sich herum und prostet den Bildern an der Wand zu. Mama, du hattest Recht: man darf im Leben nichts überstürzen, immer kühlen Kopf bewahren! Ich trinke auf dich! Trinkt. Viktoria: Du hast einst gefragt, ob du es nicht Wert bist, dass ich mich mit dir auseinander setze. Nun, langweilig war es mit dir nie, aber richtig verstanden habe ich dich bis heute nicht. Zwar habe ich mich bemüht, aber du warst zu unzuverlässig. In einer Beziehung sollte wenigstens einer kühlen Kopf bewahren, sonst wird es nichts mit der Liebe. Pause. War unsere Beziehung nun vergebens oder nicht? Ich bin gern mit dir zusammen. Wenigstens bist du nie langweilig. Ich glaube, ohne dich, wäre die Langeweile mein Schicksal geworden. Und schlau werde ich auch noch aus dir - irgendwann. Prostet ihr zu und trinktauf sie, bis die Flasche leer ist. Und was bleibt nun unterm Strich? Will trinken, aber die Flasche istvöllig leer. Betrachtet die Flasche und dreht sie auf den Kopf. Das also bleibt unterm Strich.
Verwandlung.
Vor dem Studentenwohnheim. Johann trägt einen weiten Mantel. Er wirkt nicht heiter, wohl aber gelassen.
Johann: (im Selbstgespräch) Hier fing alles an. Uns führte das Schicksal zusammen, aber wir haben nichts daraus gemacht, jedenfalls nichts das von Erfolg gekrönt ist. Pause. Ich weiß noch, dass ich dich aus versehen Maria genannt hatte, aber eine Heilige warst du nicht, genauso wenig wie ich ein Heiliger. Vielleicht sind wir gerade deshalb zusammengekommen, wer weiß? Ich frage mich, wie viele Paare sich in all den Jahren hier gefunden haben? Ob sie wohl noch zusammen sind? Pause. Ich glaube, Leben ist, was man daraus macht, wenn einem das Schicksal beisteht. Er stellt den Kragen seines Mantels hoch, da es kalt geworden ist. Nachdem er sich noch einmal umgesehen hat, geht er.
Vorhang.
Anmerkung: Tut mir leid, dass ich das Stück dritteln musste, aber der Computer hat gemotzt. Was über 10.000 Zeichen geht, verträgt er nicht.

Hans Beislschmidt

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Wohnort: Saarbrücken

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2

Freitag, 23. März 2012, 08:57

Hey Wolfgang,
eine naturalistische Aufarbeitung von Lebensschuld, welche die Protagonisten bislang noch nicht in eine bessere Erkenntnis entlässt. Erinnert mich ein bißchen an Sarte.
Ich habe den Faden hierher kopiert mit einer Theaterunterrubrik. Die Begrenzung auf 10 000 Zeichen ist gedacht, dass niemand komplette Romane hierher kopiert. Das würde den Speicher überlasten.
Gruß vom Hans

3

Freitag, 23. März 2012, 11:44

Hallo Hans,

eine interessante Einschätzung. Mit Sartre habe ich mich bislang wenig beschäftigt. Ich habe mein Stück bisher unter sozialen Gesichtspunkten gesehen, zum Beispiel, die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft.

Das mit der mangelnden Einsicht ist beabsichtigt, der Zuschauer soll sich Gedanken machen. Ähnlich wie bei Brecht, wo es keine fertigen Antworten - allenfalls Fragen - gibt.

Hältst Du das Stück für ausgereift? Mein Angebot gilt noch: wenn Du Dir eine Aufführung an Deinem Theater vorstellen kannst, bekommst Du dazu meine Erlaubnis.

LG

Wolfgang