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Joame Plebis

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  • »Joame Plebis« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 475

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Beruf: Strassensänger, der aus Scham nicht singt

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1

Dienstag, 25. Oktober 2011, 16:08

Glorreich

Wir ziehen nach Osten, die Heimat ist weit,
wie glühend brennt Hungergedärme,
die Schritte sind kraftlos, im Schnee bis zum Bauch,
wir stolpern, wir kriechen, von irgendwo Rauch -
als einziges Zeichen von Wärme.

Nach Nächten und Tagen, nach endloser Zeit.
- muß Wille den Herzschlag ersetzen -
du kriechst über Splitter auf Stein und Gerölle,
die Haut feht am Knochen, um dich kracht die Hölle,
dein Freund wird zum blutigen Fetzen.

Das Bein ist gefühllos, blau-schwarz ist die Hand,
verkrustet der Riss an der Stirne,
weißt nicht wo du bist und auch nicht deinen Namen,
warum sie dich fanden, als endlich sie kamen.
ins Chaos, zum Rand der Gestirne.

Du findest dich wieder im ratternden Zug,
durch Zufall verbliebst du am Leben.
Gegröhlt wird ein Lied über glorreichen Sieg;
man hat diesem harmlosen, schrecklichen Krieg,
die Frau und die Kinder gegeben.

©Joame

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Joame Plebis« (26. Oktober 2011, 10:02) aus folgendem Grund: Buchstabe d bei un (und) vergessen


kaktusfeige

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2

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 08:59

hallo joame,

das gedicht ist eine so bittere vision (oder erinnerung?) - man sollte es allen waffennarren oder jenen, die sich an irgendeinem krieg oder irgendeiner voksverhetzung begeistern wollen, hinter die löffel schreiben!

leider lässt erfahrung sich nicht so einfach 1:1 weitergeben. wir sollten daher niemals vergessen, welche greuel ein krieg anrichten kann. dein gedicht hält diese mahnung aufrecht.

dafür möchte ich dir meinen persönlichen dank aussprechen. ein wichtiges , sehr betroffen machendes gedicht!

ps: in strophe 2 fehlt dem "und" ein d.

liebe grüße,

die kaktusfeige

Chavali

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3

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 10:01

Lieber Joame,

was soll man dazu sagen, außer einem lobenden Wort.
Poetisch hast du die Gräuel und Hinterlassenschaften der Kriege aufgegriffen und in Strophen verdichtet.
Das ist sehr gekonnt gemacht und sollte uns Mahnung und Erinnerung sein (wenn auch nur aus Dokumentationen).

Berührte Grüße,
Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Joame Plebis

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4

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 10:11

Liebe Kaktusfeige!

Für Deinen Kommentar und die Aufmerksamkeit danke ich Dir. Den Buchstaben habe ich schon hinzugefügt.
Schön, daß dieses Gedicht nicht übersehen wurde, hätte durchaus sein können.
Es sollte so verstanden werden, wie Du es auffaßt.

Wie nichtig sind Worte, die wenig bewirken können; einer geschehenen Tat gegenüber sind sie wie unbedeutend.

Ich danke Dir!
Joame

Joame Plebis

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5

Mittwoch, 26. Oktober 2011, 10:20

Danke, Chavali!

Einige gereimte Zeilen kommen gegen Handlungen und Borniertheit nicht an, können bestenfalls mahnend erinnern,
was mir selbst als zu wenig und gering erscheint. Ohnmächtig sind wir jenen ausgeliefert, die zwar an vorderster Stelle der Macht stehen,
aber in geringstem Maße unsere Interessen vertreten.

Auch über Deine aufmunternden und bestätigenden Zeilen habe ich mich gefreut.

Danke!
Joame

6

Sonntag, 20. November 2011, 19:34

Liebe Joame.

Und wenn nur ein einziger diese Worte liest und sie weitergibt,..und der darauffolgende sie weitergibt..und irgendetwas bleibt in den Köpfen hängen ..dann haben wir, unsere Kinder oder Enkel eine Chance. Das soll dirund uns allen Mut machen zum weiterschreiben an diesem Thema.

Dieses Gedicht ist aufrüttelnd - erschreckend und das soll es auch sein.

Danke fürs Lesen, ich werde es weitergeben..und vielleicht der nächste auch..und der darauffolgende..und der ..

Marion:))
Versuchungen sollte man nachkommen. Wer weiß ob sie wiederkommen!



Oscar Wilde





© Marion Baccarra

Joame Plebis

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7

Sonntag, 20. November 2011, 19:59

Danke, Marion Baccarra, für das Lesen und Verstehen.

Freunlichen Gruß!
Joame Plebis