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Mittwoch, 25. Juni 2014, 18:48

Sinkender Horizont

Ohnmacht des späten Tags.
Hinter den Häusern, unterm sinkenden
Horizont, zersplittert das Licht.

Schatten lautloser Schritte.
Die Nacht stürzt, Erdenkühle in Armen,
auf des Molochs Dächer. Ich sah
einen blinden Mann, er trug eine tote Taube
in Händen voll Schmerz.

Fern, so fern die Stimmen der Sterne.
Schicksal kündend, nie frage ich sie nach
Kommendem. Immer die Klage,
immer das Salz der Ängste.

Ein Feuer schleudert Funken.
Dort verbrennen sie das ungelesene
Buch der Träume.

Chavali

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Montag, 21. Juli 2014, 11:48

Hallo Nachfrager,

das ist ein schönes, poetisches, nachdenkliches Gedicht, ganz wie ich es liebe.
Ohne Reime, dennoch weich schwingend lesbar.

Interessant auch die Gestaltung der Strophen: 3-4-4-3 zeilig.
Einstieg und Abschied. Sinkender Horizont in der Stadt und der Seele.

Sehr stimmungsvoll!

LG Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

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