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Sonntag, 24. März 2013, 17:13

Geschichten aus Phallozien

Die Penisvermesserin





Zu Beginn dieses Schuljahres will ich euch eine kleine
Geschichte erzählen:


In diesem, unserem Lande, regierte vor zweihundert Jahren
die Königin Ganiva, wie ihr sicherlich aus dem Geschichtsunterricht des letzten
Jahres wissen werdet. Zumindest wissen solltet.


Wie dem auch sei, bei der Königin gingen viele Beschwerden
von aufrechten Bürgerinnen ein. Die Bürgerinnen klagten, dass sie mitunter sehr
viel Zeit und Geld in das Verführen von jungen Männern, die dann doch nicht
ganz den Erwartungen entsprächen, investierten. Da es keine political
correctness gab, sprachen die Bürgerinnen frei aus, was sie störte. Die
Penisgröße. Es war nicht so, dass alle Bürgerinnen auf extragroße Glieder
standen; es gab auch damals die Liebhaberinnen kleiner Größen; diese Damen
hatten ähnliche Probleme. Entpuppte sich doch manch „kleiner Mann“ als gar
nicht so klein. Kurz und gut: Die fehlende Kenntnis wurde als arge
Ungerechtigkeit verstanden, da doch die Busengröße der Frau von Männern mit
einem Blick zu erfassen sei. Ob dieser Missstand nicht abgestellt werden könne.





Die Königin war schon seit früher Jugend der Meinung, dass
das Private das politische sei, und somit nichts gegen eine Veröffentlichung
des männlichen Geschlechtsteils spräche.


Es standen zwei Wege offen; die direkte Veröffentlichung
durch ein Verbot männlicher Unterkörperbekleidung. Dies erschien der Königin
als grausam, da die Winter sehr kalt sind, und auch Nacktheitsüberdosierend.
Eine dezentere Lösung in Form einer Strumpfhosenpflicht verwarf die Monarchin
aus ästhetischen Bedenken.


Daher beschloss sie eine indirekte Öffentlichmachung in Form
von Messergebnissen. Da die Zahlenwerte zuerst gewonnen werden mussten,
beauftragte sie in dieser patriotischen Angelegenheit eine Professorin, der
garantiert besten, weil einzigen Universität.


Die Professorin freute sich; hatte sie sich doch bisher mit
der eher blutarmen Philosophie herumgeschlagen. Nun, da sie endlich eine sowohl
praktische als auch nützliche Tätigkeit vor Augen hatte, gedachte sie sich
dieser Aufgabe voller Elan zu widmen. Das „Ding an sich“ hatte es ihr nämlich
immer schon angetan. Ein Zufall war es wohl nicht unbedingt, dass ihr dieser
Job zukam. Die Professorin war nämlich die Schwester der Königin. Diese teilte
die Vorliebe für das männliche Geschlechtsteil und hatte mit ihrer Schwester
schon viele anregende Gespräche darüber geführt. Sie liebte es Glieder
anzuschauen, in ihrer Hand zu halten, mit ihnen herumzuspielen. Am liebsten
wäre sie selber, vermesserisch tätig werdend, durch die Städte gezogen. Da sich
das aber, den damaligen Sitten entsprechend, nicht ziemte, beauftragte sie ihre
Schwester sich stellvertretend zu delektieren. Sie selbst konnte ihrer
Leidenschaft nur im Geheimen frönen.


Die Professorin machte sich ans Bestimmungswerk; an allen
männlichen Junggesellen, die das sechszehnte Lebensjahr vollendet hatten,
wurden diverse Messungen und Untersuchungen vollzogen. Die Ergebnisse wurden in
einen Ausweis, der Frauen bei Aufnahme eines Flirts vorzulegen war, eingetragen.



Die Länge in schlaffen Zustand, Länge und Umfang in
erektiertem Zustand und natürlich die Information, ob sich ein erektierter
Zustand überhaupt herbeiführen ließ, konnte somit den Frauen zugänglich gemacht
werden.


Nach zwei Jahren Tätigkeit hatte sie die Glieder aller
männlichen Einspänner in Händen gehalten Die Arbeit hatte ihr nicht immer Spaß
gemacht, waren doch nicht alle Männer Schönlinge mit prächtigen Gemächten. Aber
das Vergnügen im Umgang mit den hübscheren Vertretern des männlichen Geschlechts
hatte sie für ihre Mühen entschädigt.


Die meisten Männer waren mit der Vermessung nicht
unzufrieden, handelte es sich bei der Professorin doch um eine ausgesprochen
schöne Frau mit beachtlich warmen Händen.


Einige beantragten sogar wiederholt eine Nachuntersuchung.





Die Professorin kehrte Penisgesättigt an ihren
Philosophielehrstuhl zurück, und vertiefte sich wieder in abstrakte
Sachverhalte; sie war vollkommen zufrieden mit ihrem Leben, auch weil die
Anstrengungen im Philosophiesektor durch anreisende junge Männer, die gerade
den sechzehnten Geburtstag gefeiert hatten und die somit zur Untersuchung
verpflichtet waren, aufgelockert wurden.





Das waren die Anfänge der Penometrie, für die heute unser
Land in der ganzen Welt bekannt ist, und geschätzt wird. Dafür können wir den
beiden Frauen nicht genug danken.


Darüber hinaus haben sich die beiden Damen Verdienste um die
freie Sprache in sexuellen Angelegenheiten erworben, indem sie in ihren
Memoiren offen über ihre Gefühle und Beweggründe in dieser Sache sprachen.

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Montag, 25. März 2013, 19:45

Die Vermessung


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Samstag, 6. April 2013, 18:33

Der Sexybithionist





Lehrer:


„Als Einführung in den Sexualkundekurs stelle ich eine
kleine Geschichte:


Vor einiger Zeit lebte in diesem, unserem Lande ein
hübscher, junger Mann, der keine Lust hatte einer geregelten Arbeit
nachzugehen. Um seinen Lebensunterhalt und seine Mitgliedschaft in
verschiedenen Fitnesscentern bestreiten zu können, betätigte er sich als
lebende Statue. Er stellte sich, nur mit einem Lendenschurz angetan, auf ein
Podium und behielt eine einmal eingenommene Haltung stundenlang reglos bei. Das
vor allem weibliche Publikum zeigte sich sehr angetan von seinen gestählten
Muskeln und seiner makellosen gebräunten Haut. Somit wurde der Hut, der vor dem
Podest stand, immer gut mit diversen Phallomünzen gefüllt.


Ganz zufrieden war der junge Mann nicht mit dieser
Situation. Er wollte den anwesenden Damen gerne alles zeigen, doch fehlte ihm
der Mut sich von Beginn an ganz nackt auf das Podest zu stellen. Da er auch ein
findiger junger Mann war, konnte er diesen Missstand abstellen:


Er steckte einem weiblichen Teenager einen
Zehn-Phallo-Schein zu, mit der Bitte, doch mal kurz an der Schleife seines
Lendenschurzes zu ziehen, sobald er sich in Position begeben hätte. Ein paar
Minuten nachdem er sich auf das Podest begeben hatte, erfüllte der Teenie seinen
Wunsch; zog an der Schleife und der Lendenschurz fiel zu Boden. Es gab ein
großes Hallo bei den Damen im Publikum als der Jüngling splitternackt auf dem
Podium stand. Immer mehr Frauen blieben stehen um den Nackten bewundernd zu
mustern. Besonders an seiner Leibesmitte blieben viele Blicke hängen. Als er
die Augen so ungeniert auf seinen kleinen Mann gerichtet sah, übermannte ihn
ein Hochgefühl. Sein kleiner Mann richtete sich auf und wurde unter dem Applaus
der anwesenden Frauen ebenfalls zur Statue.





Nun, was sagt ihr zu dieser Geschichte?“





Schülerin: „Der junge Mann hat klug gehandelt. Wäre er
gleich ganz nackt aufs Podium geklettert, dann hätte seine gemächtliche
Nacktheit nicht so stark auf das anwesende Publikum gewirkt.“


Lehrer: „Richtig. Entblößung bringt das Dargebotene erst
richtig zur Geltung. Nicht von ungefähr ist der Striptease in diesem, unserem
Lande, die wichtigste Kunstform.


Es gibt auch noch einen anderen Grund für das Tragen von
Kleidung:


Ständige Nacktheit führt zu einer Abstumpfung. Wer dauernd
seine Lieblingsspeise aufgetischt bekommt, ist bald schon angeekelt von ihr.


Darum ist auch FKK in Phallozien verboten. Nicht etwa, weil
uns Nacktheit nicht wertvoll ist, sondern, weil Nacktheit uns besonders am
Herzen liegt. Nacktheit ist hier nur in sexuell-erotischem Kontext erlaubt.


Wer nackt sein will, muss sich Mühe geben um vorteilhaft zu
wirken. Sich einfach ausziehen ohne an die anderen zu denken, geht nicht. Und
ständig nackt rumlaufen geht schon gar nicht. Es hat wegen des FKK-Verbots eine
heftige Auseinandersetzung im Parlament gegeben. Die eine Fraktion aus
Parlamentarierinnen verwies auf das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung,
um eine FKK-Erlaubnis durchzudrücken, die andere Fraktion führte das „Gesetz
zur Erhaltung der Erotik in Phallozien“ an, um ein Verbot durchzusetzen. Nach
einer langen Debatte stimmte die Mehrheit der Parlamentarierinnen schließlich
für das Verbot.


Wenn ihr meine Meinung dazu hören wollt: Sie haben Recht
damit getan. Wegen ein paar Gestörter können wir unser Land nicht in eine
erotische Todeszone verwandeln.“

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Sonntag, 7. April 2013, 20:41

Lustlosvoller Phallozianier


Hans Beislschmidt

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5

Montag, 8. April 2013, 18:13

Amüsante Geschichte über das Messen von Gliedern.
Beim „erektierten“ Zustand musste ich wegen dichterischer Freiheit etwas grinsen.
http://www.med1.de/Forum/Sexualanatomie/21894/
Das Thema hat wohl nichts von seiner Aktualität verloren – ist aber nach wie vor "erigiert".
:)

6

Dienstag, 9. April 2013, 21:14


Beim „erektierten“ Zustand musste ich wegen dichterischer Freiheit etwas grinsen.

Die Formulierung habe ich mir nicht ausgedacht. Hirschfeld hat bei der Beschreibung eines Falles ein "erektiertes Glied" erwähnt. Das gefiel mir so gut, dass ich das "erektiert" in die Vermessungsgeschichte aufgenommen habe.



"Hirschfeld berichtet folgenden Fall:
In einer kleinen Stadt in Würtemberg wurde ein Geschäftsmann mittleren Alters denunziert, öffentliches Ärgernis erregt zu haben, indem er sein erektiertes Glied entblößte, als er in seinem Bett lag. Die Klage wurde von einer 40jährigen unverheirateten Frau, einer Lehrerin vorgebracht, die im Dachgeschoß des gegenüberliegenden Hauses wohnte. [...] Die Untersuchung bestätigte die Tatsache, daß der Mann nicht zu sehen war, es sei denn, man steigt auf das Regal, und der Angeklagte wurde deshalb freigesprochen. Neben der besagten Entdeckung ergab es sich auch, daß die Dame nicht nur auf dem Regal gestanden, sondern auch ein Opernglas benutzt hatte. [...]"
aus der Inaugural-Dissertation von Bruno Müller: Beitrag zum Problem des Exhibitionismus; 1964; S.83

Hans Beislschmidt

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7

Mittwoch, 10. April 2013, 09:05

Ich habe vermutet, dass da eine kleine story dahintersteckt. Bücherregal und Opernglas wären auch eine kleine Geschichte wert ... :rolleyes:

8

Donnerstag, 11. April 2013, 21:33

Es gibt ein paar Witze, die möglicherweise von diesem Vorfall inspiriert wurden. Aber so komisch wie die Realität sind die nicht.

9

Donnerstag, 11. April 2013, 21:35

Die Phallosophin





„Dies ist unsere
Landesflagge. Ihr seht: Sie ist dreifarbig. Auf ihrer Mitte befindet sich ein
Wappentier; einige von euch meinten, es sei ein Affe, andere bezeichneten es
als Schimpansen. Beide Meinungen sind nicht falsch. Man kann das Tier aber
genauer bezeichnen: Es ist ein Bonobo.


Auch hat die Flagge eine Zahl als Bestandteil. Die
Ziffernfolge, die sich auf unserer Landesfahne befindet, ist die
Neunundsechzig. Diese Zahl ist eine ständige Erinnerung an die sexuelle
Vielfalt und auch eine Antwort auf die Sinnfrage. Dazu erzähle ich euch gleich
mehr. Erst einmal will ich auf das Tier und die Farben eingehen.


Der Bonobo ist ein außergewöhnliches Wappentier für einen
Staat, der sich auf der eurasischen Kontinentalplatte befindet. Die Philosophin
Luvva, die diese Flagge entwarf, befand den Bonobo, obwohl er bei uns nicht
natürlich vorkommt, als das am besten geeignete Tier als Zeichen für unsere
Kultur. Er ist uns in Gestalt und Verhalten ähnlich, und sowohl friedlicher als
auch sexuell aktiver als der gemeine Schimpanse.


Die drei Farben symbolisieren die drei Geschlechter.
Weiblich, männlich, unbestimmt. Das dritte steht offen für Hermaphroditen,
Transvestiten und alle die einfach nicht zu einem der beiden bestimmten
Geschlechtern gehören wollen.


Die Neunundsechzig steht für sexuellen Pluralismus. Es gibt
eine Menge sexueller Spielarten, die bei uns gleichberechtigt nebeneinander
stehen. In anderen Ländern genießt der vaginale Verkehr eine Ausnahmestellung,
weil der zur Fortpflanzung führt. Alle anderen Spielarten gelten bei denen als
mindestens minderwertig. Nicht so bei uns: Wir machen den Sex nicht nur zur
Fortpflanzung, sondern aus Überzeugung. Uns ist schon lange bewusst, dass nur
ein befriedigendes Sexleben zu Glück und Frieden führen kann.


Macht es wie die Bonobos: Sie streiten nicht, sie raufen
nicht, sie sexen lieber. Sexen sage ich hier, weil sie nicht auf
Penetrationshandlungen festgelegt sind. Damit haben wir das Gebiet der
Phallosophie betreten. Die Phallosophie ist die wichtigste Disziplin innerhalb
der Philosophie. Ich kann euch hier euch einige Merksprüche vorstellen:


- Alles Lebende strebt nach Lust.



- Bevor du dich um die Probleme der Welt kümmerst, kümmere dich
erst um deine eigenen Probleme. Die
unglücklichen Weltbeglücker, die die Welt ändern wollten, haben nur Leid
verursacht.



- Unglückliche machen alle Anderen unglücklich.


- Somit gibt es eine moralische Pflicht zur
Lust.


- Die Probleme des Lebens lassen sich am
besten durch Hedonismus bekämpfen.





Wir wissen, dass das menschliche Leben rätselhaft, kurz und
schmerzvoll ist.


Es gibt keinen Grund im Leben. Das Leben ist wie ein Fallschirmsprung,
nur halt ohne Fallschirm. Man wird im freien Fall geboren, kommt zu Bewusstsein
und bemerkt, dass man sich im freien Fall befindet; man sieht wie andere
Menschen auf den Boden prallen und zerschmettert werden; man gelangt
schließlich zur Erkenntnis, dass man selbst nach einer kurzen Zeitspanne auch
zu den Zerschmetterten gehören wird. Das ist das, was man sicher sagen kann.
Alles andere ist unsicher, perspektivisch, zeitgebunden. Wie die Phallosophin
Luvva schon im letzten Jahrhundert feststellte: Es gibt keine Wahrheit, nur
wechselnde Ansichten. Was wir heute über die Welt glauben, kann morgen schon
über den Haufen geschmissen werden. Nur die Lust bietet Halt im Universum. Sie
verbindet die Menschen einer Zeit und auch die Menschen aller Zeiten. Was
unsere Vorfahren über die Welt gedacht haben, gilt als veraltet. Ihre Lust kann
man sich immer noch vorstellen. Der Orgasmus eint Menschen. Verbindet die
Lebenden mit den Toten, vereint die Jungen mit den Alten. Das letztere ist
nicht nur symbolisch zu verstehen.


Denn auch das Greisenalter hat seine Vergnügungen. Da ist
zum einen der Drogenkonsum, dem man sich frei hingeben kann. Man muss keine
Maschinen mehr bedienen, niemanden unterrichten. Die Zeit steht zur freien
Verfügung. Auch für sexuelle Angelegenheiten.


Wie schön ist es doch für Alte, einem kopulierenden jungen
Pärchen zuzusehen und dabei selbst Hand anzulegen. Ohne Gram, wie er bei
jüngeren Zusehern so häufig auftritt. Die Jüngeren haben eigene Interessen und
sind oft neidvoll wenn andere das ersehnte ausführen. Nicht so der Alte; der
kann das Dargebotene voll genießen. Das Spiel der Muskeln bewundern, die
geschwollenen Geschlechtsteile würdigen, und vieles mehr. Ich gerate ins
Schwärmen. Nächstes Jahr werde ich pensioniert. Dann kann ich meinen
voyeuristischen Neigungen in aller Ruhe nachgehen.


Nun gut, die Zeit ist abgelaufen. In der morgigen
Unterrichtsstunde werde ich euch etwas über das Ministerium für sexuelle
Angelegenheiten erzählen.“

Hans Beislschmidt

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10

Freitag, 12. April 2013, 08:53

Zitat

Man wird im freien Fall geboren, kommt zu Bewusstsein
und bemerkt, dass man sich im freien Fall befindet; man sieht wie andere
Menschen auf den Boden prallen und zerschmettert werden; man gelangt
schließlich zur Erkenntnis, dass man selbst nach einer kurzen Zeitspanne auch
zu den Zerschmetterten gehören wird.


Dieser Vorgang wird in der neueren Konfrontationspsychologie, ähnlich wie der doppelte Rittberger im Sport, als vorgezogener Möllemann bezeichnet. :rolleyes:

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Samstag, 13. April 2013, 15:31

Flagge zeigen...


Die Phallosophin





„Dies ist unsere
Landesflagge. Ihr seht: Sie ist dreifarbig. Auf ihrer Mitte befindet sich ein
Wappentier; einige von euch meinten, es sei ein Affe, andere bezeichneten es
als Schimpansen. Beide Meinungen sind nicht falsch. Man kann das Tier aber
genauer bezeichnen: Es ist ein Bonobo.






Auch hat die Flagge eine Zahl als Bestandteil. Die
Ziffernfolge, die sich auf unserer Landesfahne befindet, ist die
Neunundsechzig. Diese Zahl ist eine ständige Erinnerung an die sexuelle
Vielfalt und auch eine Antwort auf die Sinnfrage. Dazu erzähle ich euch gleich
mehr. Erst einmal will ich auf das Tier und die Farben eingehen.


Der Bonobo ist ein außergewöhnliches Wappentier für einen
Staat, der sich auf der eurasischen Kontinentalplatte befindet. Die Philosophin
Luvva, die diese Flagge entwarf, befand den Bonobo, obwohl er bei uns nicht
natürlich vorkommt, als das am besten geeignete Tier als Zeichen für unsere
Kultur. Er ist uns in Gestalt und Verhalten ähnlich, und sowohl friedlicher als
auch sexuell aktiver als der gemeine Schimpanse.


Die drei Farben symbolisieren die drei Geschlechter.
Weiblich, männlich, unbestimmt. Das dritte steht offen für Hermaphroditen,
Transvestiten und alle die einfach nicht zu einem der beiden bestimmten
Geschlechtern gehören wollen.


Die Neunundsechzig steht für sexuellen Pluralismus. Es gibt
eine Menge sexueller Spielarten, die bei uns gleichberechtigt nebeneinander
stehen. In anderen Ländern genießt der vaginale Verkehr eine Ausnahmestellung,
weil der zur Fortpflanzung führt. Alle anderen Spielarten gelten bei denen als
mindestens minderwertig. Nicht so bei uns: Wir machen den Sex nicht nur zur
Fortpflanzung, sondern aus Überzeugung. Uns ist schon lange bewusst, dass nur
ein befriedigendes Sexleben zu Glück und Frieden führen kann.






Macht es wie die Bonobos: Sie streiten nicht, sie raufen
nicht, sie sexen lieber. Sexen sage ich hier, weil sie nicht auf
Penetrationshandlungen festgelegt sind. Damit haben wir das Gebiet der
Phallosophie betreten. Die Phallosophie ist die wichtigste Disziplin innerhalb
der Philosophie. Ich kann euch hier euch einige Merksprüche vorstellen:


- Alles Lebende strebt nach Lust.



- Bevor du dich um die Probleme der Welt kümmerst, kümmere dich
erst um deine eigenen Probleme. Die
unglücklichen Weltbeglücker, die die Welt ändern wollten, haben nur Leid
verursacht.



- Unglückliche machen alle Anderen unglücklich.


- Somit gibt es eine moralische Pflicht zur
Lust.


- Die Probleme des Lebens lassen sich am
besten durch Hedonismus bekämpfen.





Wir wissen, dass das menschliche Leben rätselhaft, kurz und
schmerzvoll ist.


Es gibt keinen Grund im Leben. Das Leben ist wie ein Fallschirmsprung,
nur halt ohne Fallschirm. Man wird im freien Fall geboren, kommt zu Bewusstsein
und bemerkt, dass man sich im freien Fall befindet; man sieht wie andere
Menschen auf den Boden prallen und zerschmettert werden; man gelangt
schließlich zur Erkenntnis, dass man selbst nach einer kurzen Zeitspanne auch
zu den Zerschmetterten gehören wird. Das ist das, was man sicher sagen kann.
Alles andere ist unsicher, perspektivisch, zeitgebunden. Wie die Phallosophin
Luvva schon im letzten Jahrhundert feststellte: Es gibt keine Wahrheit, nur
wechselnde Ansichten. Was wir heute über die Welt glauben, kann morgen schon
über den Haufen geschmissen werden. Nur die Lust bietet Halt im Universum. Sie
verbindet die Menschen einer Zeit und auch die Menschen aller Zeiten. Was
unsere Vorfahren über die Welt gedacht haben, gilt als veraltet. Ihre Lust kann
man sich immer noch vorstellen. Der Orgasmus eint Menschen. Verbindet die
Lebenden mit den Toten, vereint die Jungen mit den Alten. Das letztere ist
nicht nur symbolisch zu verstehen.


Denn auch das Greisenalter hat seine Vergnügungen. Da ist
zum einen der Drogenkonsum, dem man sich frei hingeben kann. Man muss keine
Maschinen mehr bedienen, niemanden unterrichten. Die Zeit steht zur freien
Verfügung. Auch für sexuelle Angelegenheiten.


Wie schön ist es doch für Alte, einem kopulierenden jungen
Pärchen zuzusehen und dabei selbst Hand anzulegen. Ohne Gram, wie er bei
jüngeren Zusehern so häufig auftritt. Die Jüngeren haben eigene Interessen und
sind oft neidvoll wenn andere das ersehnte ausführen. Nicht so der Alte; der
kann das Dargebotene voll genießen. Das Spiel der Muskeln bewundern, die
geschwollenen Geschlechtsteile würdigen, und vieles mehr. Ich gerate ins
Schwärmen. Nächstes Jahr werde ich pensioniert. Dann kann ich meinen
voyeuristischen Neigungen in aller Ruhe nachgehen.


Nun gut, die Zeit ist abgelaufen. In der morgigen
Unterrichtsstunde werde ich euch etwas über das Ministerium für sexuelle
Angelegenheiten erzählen.“





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Sonntag, 14. April 2013, 19:32

Die Guckkästner





Wie angekündigt beschäftigen wir uns heute mit dem
Ministerium für sexuelle Angelegenheiten. Kein anderes Land des gesamten
Erdballs hat annähernd vergleichbares
aufzubieten. Dieses Ministerium ist ein Alleinstellungsmerkmal; ein Monolith,
der Zeuge dafür ist, wie wichtig wir die sexuelle Erfüllung nehmen. Und der
Zeugnis einer richtigen Weichenstellung gibt.


Die niedrige Kriminalitätsrate in diesem, unserem Lande
beweist, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.





Dieses Ministerium ist sehr alt; ins Leben gerufen wurde es
von der Königin Ganiva, von der ihr bereits in der ersten Unterrichtsstunde
gehört habt. Die Königin war eine sehr kluge und weise Frau, die sofort, als
man ihr ein Anliegen von einigen ehrbaren Bürgerinnen vorbrachte, die immense
Bedeutung dieses Sachverhalts erfasste. Was war nun das Anliegen der ehrbaren
Bürgerinnen? Nun, sie fühlten sich belästigt, weil ihnen ein paar zeigefreudige
Männer des öfteren ihre Genitalien präsentierten. Das sei zwar nicht schlimm,
aber doch lästig.


Die Königin überlegte wie dieses Problem anzugehen sei. Das
Herzeigen der Glieder wollte sie nicht gesetzlich unterbinden. Zum einen, wegen
ihrer Vorliebe für das männliche Genital, zum anderen, weil sie wusste, dass
dies die Zeigemänner unglücklich machen würde. Und Unglückliche sind immer
gefährlich.


Nach einiger Überlegungszeit hatte sie die ideale Lösung
gefunden. Die Männer sollten doch ein Geschäft aus der Entblößung machen.


Damit brach die Blütezeit der Guckkästner an.


Ihr werdet wahrscheinlich schon den einen oder anderen, auch
heute noch herumziehenden Vertreter dieses Berufsstandes gesehen haben. Diese
wackeren Männer bewahren eine ehrwürdige Tradition.


Für die, die noch keinen gesehen haben, und für alle
historisch Interessierten erkläre ich die Anfänge der Guckkästnerei:


Die Guckkästner hatten eine Hose an, die vorne
ausgeschnitten war. An diesem Ausschnitt war ein – manchmal mit allerlei
Verzierungen versehenen - hölzerner Kasten vor ihrer Leibesmitte angebracht.
Frontal stand er offen; nur ein Vorhang trennte die davor Stehenden von den Geschlechtsteilen. Zahlten Interessierte
einen kleinen Obolus, dann lüftete der Guckkästner diesen Vorhang und
verschaffte damit den Leuten ungehinderten visuellen Zugang zu seinem Gemächt.
Nicht nur Frauen erwiesen sich als dankbare Zielgruppe, auch Männer
begeisterten sich an dieser Form der Penispräsentation. Schon kurz nach der
Einführung dieses Angebots, war das Guckkästnerwesen ein sehr angesehener
Berufsstand, dessen Vertreter das Angebot ständig weiterentwickelten. Bei dem
einen konnte man auswählen in welchen Zustand man sein bestes Stück sehen
wolle, der andere hatte kunstvolle Tätowierungen auf dem Penis anbringen
lassen, wieder andere stellten zuckende und pulsierende Glieder zur Schau.


Berichte von Männern mit phänomenaler Penisbeherrschung
machten die Runde. Teilweise wahrscheinlich Eigenwerbung, teilweise waren es
begeisterte Schilderungen hingerissener Augenzeugen.





Nun, da die Königin das Problem zur allgemeinen
Zufriedenheit gelöst hatte, gründete sie ein Ministerium für sexuelle
Angelegenheiten, weil sie in ihrer Weitsicht voraussah, dass dies garantiert
nicht das letzte Problem im sexuellen Bereich gewesen sei.


An dieses Ministerium konnte, und kann, sich jeder wenden
der Probleme mit der von ihm präferierten Sexualität hat. Die Experten des
Ministeriums erarbeiten dann eine Lösung. Die Problemlagen und Ratsuchenden
können sehr verschieden sein. Beispielsweise ein unglücklicher
Windelfetischist, der keine Partnerin findet. Oder ein Hosentaschenonanist, der
die Freude an seiner Betätigung verloren hat. In dem Ministerium findet man
medizinischen, psychologischen und soziologischen Rat.


Selbstverständlich ist in unserem Lande nicht jede sexuelle
Betätigung erlaubt. Gewalttätigkeit gegenüber Personen, die in die Gewalt nicht
eingewilligt haben und auch sexuelle Handlungen an Kindern, sind verboten.


Sprechen können die Personen, die derartige Phantasien hegen
ganz frei über ihre Wünsche. Die Ministeriumsmitarbeiter erarbeiten dann Ersatzvorschläge,
die den Betroffenen doch noch zu einem halbwegs erfüllten Sexualleben kommen
lassen, ohne damit anderen zu Schaden.





Wir haben dem Ministerium viel zu verdanken. Unter anderem
unsere Schamlosigkeit.


Wir sind in jeder Hinsicht eine schamlose Gesellschaft. Die
vermaledeite Eigenscham und die noch scheußlichere Fremdscham haben wir
eliminiert. Die Fremdscham war die übergriffigste Scham, stellte sie doch ein
unausgesprochenes Unwerturteil über den, dessen man sich schämte, dar.





So, nun könnt ihr in die Pause gehen.

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Dienstag, 16. April 2013, 19:19

Zu tief ins Guckkästchen geguckt ?