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norbert

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  • »norbert« ist der Autor dieses Themas

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1

Sonntag, 4. November 2012, 22:00

Goethes Neffe

Goethes Neffe

Wolfgangs Neffe Gunther Goethe
starrte in die Morgenröte,
so, wie er dies häufig machte,
wenn er tief und innig dachte.

Gunther war ein großer Seher,
abgrundtiefer Weltversteher,
Denker ohne Fehl und Tadel,
Philosoph von höchstem Adel!

Gunther stieß an Horizonte,
die nur er erblicken konnte.
Doch - Prophet im eignen Lande -
ihm blieb nur der Spott, oh Schande!

"Denkt wohl, weil er Goethe heißet,
dass er goldne Eier scheißet!"
Die genetische Verastung
war für Gunther nur Belastung!

Denn er war zu spät geboren -
hoffnungslos verkannt, verloren.
Als er nicht mehr weiter wusste,
kam es, wie es kommen musste:

Gunther G. begann zu pöbeln,
warf mit Eiern, Brot und Möbeln,
dass man ihn, der Ärger machte,
prompt ins Irrenhaus verbrachte.

In des Hauses dunklen Kammern
half kein Flehen und kein Jammern.
"Größenwahn gleicht einer Droge,"
sprach der Anstaltspsychologe,

"dieser Wahn lässt sich kaum dämpfen,
keinesfalls final bekämpfen!
Sperrt ihn allzeit hinter Mauern,
dort mag er getrost versauern!"

(Jener Arzt war - welch ein Hohn -
Friedrich Schillers Friedelsohn...)

Hans Beislschmidt

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2

Dienstag, 6. November 2012, 09:06

Hi Treffbert,

gut erkannt, wie die Last eines großen Namens auf den Nachkommen lastet. Mancher Schauspieler hat schon deswegen den Namen gewechselt, nur um diesem Fluch zu entgehen.
Flüssig gereimt, mit witziger Pointe ... ein echter Norbert.

Gruß vom Hans

norbert

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3

Samstag, 10. November 2012, 22:23

hi hans
das gedicht, hat für mich einen sehr ernsten hintergrund: es mag
selten sein wie sechs richtige im lotto, aber ICH bin selber der neffe
eines dichters, der es immerhin zum nobelpreis in literatur gebracht
hat.
das mag schmeichelhaft sein, aber es wird meistens zur
katastrophe, wenn neffe oder nichten versuchen, eigenständig
künstlerisch tätig zu sein - man wird tendenziell eher ausgelacht bzw.
überkritisch betrachtet.
lirber gruß
norbert

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »norbert« (19. November 2012, 20:58)


Joame Plebis

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4

Montag, 19. November 2012, 01:02

Lieber Norbert!

Kaum wage ich, wenn, dann nur ganz ehrfurchtsvoll, zu schreiben, wie mir Dein Werk gefallen hat. Erheiternd mit Wahrheit im Inhalt.
Das ist doch phantastisch, in unseren spärlichen Reihen den Neffen eines Nobelpreis-Dichters zu haben.
Im Moment ist mein Selbstvertrauen und die Achtung vor mir auf einem Nullpunkt, das hat mir die Augen total geöffnet, dieses merken, wie viele Größen es gibt. Fiele mir etwas kleineres als ein Wurm ein, dann würde ich mich als so etwas bezeichnen.
Danke, daß ich Dir mein Wohlgefallen ausdrücken durfte!

Ein tief verlegener und geringer Zettelschreiber.
Joame

norbert

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5

Dienstag, 20. November 2012, 20:16

...auch ein wurm kann ein lieber freund sein...
lieber gruß
wurmbert



Mein Freund der Wurm und ich







Mein Freund der Wurm und ich,

wir kriechen um die Wette...

am Morgen trifft man sich

im Staub unter dem Bette.



Mein Freund der Wurm und ich,

wir krümmen uns im Schatten,

weil wir im hellen Licht

vertrocknen und ermatten.



Mein Freund der Wurm und ich,

wir pfeifen auf die Mode!

Wir kriechen ordentlich!

mit Würde und Methode!


Mein Freund der Wurm und ich,

sind keine Himmelsstürmer.

Wir tun nur unsre Pflicht!

Wir sind halt deutsche Würmer!



Mein Freund der Wurm und ich,

wir kriechen immer weiter.

Mal sind wir weinerlich,

meist überwiegend heiter.



Mein Freund der Wurm und ich,

wir sind - bei aller Liebe -

letztend- und eigentlich

zwei faule Tagediebe...

Joame Plebis

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6

Mittwoch, 21. November 2012, 21:51

Guten Tag, Norbert!

Ich mußte extra nachsehen, wie Wilhelm Busch geschrieben hat, da ich Dich mit Kästner oder ihm vergleichen wollte. Nur kenne ich Busch weniger als Kästner, der mir doch humorvoller und treffender scheint.

Ich lasse eine Antwort beiseite, die ich in Gedichtform parat hätte - bezüglich Wurm -, da sie gegenteilig als humorvoll wäre.
Leider erscheint mir Humor wie eine Karnevalsmütze, die man sich aufsetzt. Doch glücklicherweise gibt es tatsächlich Menschen,
die Humor haben und humorvoll glücklich sind; das freut mich. Danke für Dein Wurm-Gedicht!

Joame

Hans Beislschmidt

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7

Freitag, 23. November 2012, 09:02

wow Wurmbert,
das Gewurmte hat richtig Tiefgang - hier ruft einer aus dem Wurmloch!
Wurm dich nicht - das Ding ist Klasse!
Gruß vom Hans

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8

Freitag, 23. November 2012, 17:36

Hallo Norbert,
kann dich gut verstehn. Oh, ja, so ein Erbe lastet. Auch ich trage solch ein Kreuz, habe ich doch dunnenmals in einer Goethestraße das Licht eines Wolframfadens erblickt.
Auch was das Thema Wurm angeht, so kann ich dir nur beipflichten. So ein Tierchen kann sehr wohl ein loyaler Weggenosse sein, ist doch mein Bandwurm seit Jahrzehnten nicht eine Sekunde von meiner Seite gewichen.
In diesem Sinne ein Hoch auf des Dichters Wurm
http://www.lulu.com/spotlight/tetracolor
Ich bin ein Ver-Rückter. Aber ich mag mich. 8)

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