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Chavali

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1

Sonntag, 9. September 2012, 16:13

Oktoberzeit

Oktoberzeit

Wenn Herbstzeitlose lila blühen,
gewölkte Himmelsbänder ziehen,
wenn Farn und Gräser unter Bäumen
von kühlem Regen heimlich träumen,
dann ists soweit:
Oktoberzeit.

Wenn Koppeln schon verlassen liegen
und Zweige sich im Winde wiegen,
wenn Pilze aus dem Boden schießen
und Rosen ihre Augen schließen,
dann ists soweit:
Oktoberzeit.

Stille legt sich übers Land,
Natur webt sich ein buntes Band,
es riecht nach modrig-feuchtem Laub.
Nachts legt sich feiner Sternenstaub
auf Wiesengras mit leichter Hand:
Es ist soweit -
Oktoberzeit.
______
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Joame Plebis

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2

Donnerstag, 1. November 2012, 22:40

Guten Tag, Chavali!

Ein Oktobergedicht - und von Dir, das muß doch gelesen werden, gerne auch noch.

Stimmt einiges nicht ganz mit meinen Naturbetrachtungen überein (ich lebe in einer etwas anderen Klimazone),
so hast Du mit Herbstzeitlosen, Farn und Zweigen im Winde gut beschrieben.
Bei Pilzen glaube ich weniger, die ich momentan vermisse, es dürfte ihnen zu kalt sein.

Hauptgewicht, uns eindringlich zu sagen: Oktober ist. Ja, leider und schon wieder!
Der Geruch des moderigen Laubes kommt auch noch. Schließen auch nicht alle Rosen die Augen,
manche öffnen sie sogar, doch prinzipiell ist in dieser Zeit ein Einschlafen und Vergehen.

Ein unaufdringliches Gedicht, das bescheiden wirkt, nicht glänzen will mit furiosen Konstruktionen.
Es ist von Dir und natürlich; jedes Gedicht und Zeichen von Dir sind mir besonders lieb.
Wenn einmal etwas total daneben gehen sollte oder unmöglich wäre, hätte ich so viel Vertrauen,
es Dir sagen zu können.

In diesem Fall wäre nur als Kleinigkeit der Beginn der dritten Strophe zu erwähnen,
die mit einer Hebung beginnt (vielleicht bewußt?), sie könnte ebenso wie die anderen
z.B. lauten: Es legt sich Stille übers Land ..oder so ähnlich um XxXxXxX zu vermeiden.
Das 'bunte Band' wurde schon von unzähligen Dichtern verwendet, deshalb hätte ich mir
da etwas anderes einfallen lassen.
Das sind so meine Gedanken, der ich mich freue, Dein Gedicht lesen zu dürfen.

Lieben Gruß
Joame

Chavali

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3

Montag, 12. November 2012, 18:28

Hallo und guten Tag, Joame :)

hab vielen herzlichen Dank für deine schöne und ausführliche Rezension!

Zitat

[...] Kleinigkeit der Beginn der dritten Strophe zu erwähnen,
die mit einer Hebung beginnt (vielleicht bewußt?),[...]

Ja, bewusst.
Ich mach das manchmal, um der Eintönigkeit eines perfekten Metrums zu entgehen.
Hier in diesem Falle so wie ein Schluss-Punkt:

Stille legt sich übers Land
XxXxXxX

Zitat

Das 'bunte Band' wurde schon von unzähligen Dichtern verwendet, deshalb hätte ich mir
da etwas anderes einfallen lassen.


Stimmt. Das buche ich unter Betriebsblindheit ^^
Ich schau mal, was mir statt dessen einfällt...


Nochmals *danke* und lieben Gruß!
Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)