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Doro

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1

Mittwoch, 25. Juli 2018, 11:48

Rosenduft

Dem Blinden, der die Rosenpfade meidet,
weil dornenvolle Wege zu beschwerlich sind,
dem bleibt die Rose ohne Sinn – falls nicht der Wind
das Rosenwort mit zartem Duft umkleidet.

2

Mittwoch, 25. Juli 2018, 18:50

Sprachlich ausgewogen. Über den Text könnte man jetzt lange meditieren ... Mir fällt nur auf, dass es selbst dann noch Leute gibt, die nicht verstehen wollen oder können, wenn man ihnen alles auf dem Silbertablett serviert. Ob man versteht, hängt auch mit dem Willen zusammen. Intelligenz ohne Willen ist blind, Willen ohne Intelligenz: dumm.

Doro

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3

Mittwoch, 25. Juli 2018, 20:32

Erst einmal herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Nur eine Äußerung von Dir finde ich etwas zu gewagt:

Zitat

Intelligenz ohne Willen ist blind,

Ist es nicht denkbar, dass ein Intellektueller durch tiefes Nachdenken sowie redliche, rücksichtslose Analyse zu der Erkenntnis kommt, dass es sinnlos ist durch willensstarke Anstrengungen etwas Substantielles zu erreichen, weil es "kein richtiges Leben im falschen" geben kann. Einen solchen Intellektuellen kennen wir ja beide.

4

Mittwoch, 25. Juli 2018, 21:11

Soweit ich Adorno verstanden habe, glaubte er, die Kraft der Literatur bestünde darin, den Intellekt der Leser anzusprechen. Ich müsste Adorno noch einmal lesen, um jetzt entsprechend antworten zu können. Ich weiß aber, dass er ein Aufklärer war, somit muss er an die Kraft des Menschen geglaubt haben, sich selbst aus seiner Unmündigkeit zu befreien. Die Frage, wie man das jeweils erreichen kann, übersteigt meine intellektuellen Fähigkeiten.

Doro

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5

Donnerstag, 26. Juli 2018, 12:06

herzlichen Dank für Deine Antwort. Jetzt sind wir aber, auch durch meine Unbesonnenheit, ziemlich weit weg gekommen von der Arbeit am Text.
Du hattest ja eine sehr freundliche Bewertung geschrieben, und ich habe mich an Deiner starken Betonung des "Willens" gestoßen. Das kommt sicherlich daher, dass ich sehr allergisch reagiere (aufgrund persönlicher Erfahrungen) auf Erziehungsversuche - auch in modernen sog. Führungsmethoden - , die den Willen stärken wollen und dafür den Supererfolg, quasi das Heil auf allen Ebenen, versprechen.
Da ist mir wohl etwas widerfahren, was man in der Psychologie "Übertragung" nennt. Entschuldige, bitte.
Freundliche Grüße, Doro.

6

Donnerstag, 26. Juli 2018, 17:17

Ich hätte noch die Ideale erwähnen sollen, ohne die der Willen kaum Sinn macht. Ideale hat jeder Mensch, es kommt aber darauf an, was es für welche sind.) Hat man Intelligenz und Willen, ist das etwa so, als habe man ein Auto und eine Fahrbahn, auf der man fahren kann. Beides macht aber nur dann Sinn, wenn man die Richtung kennt, sonst landet man irgendwo im nirgendwo. Darum sollte man auch immer seine Ideale überprüfen, indem man sich fragt, was richtig und was falsch ist. Kommt man darauf, dass man einem falschen Ideal folgt, muss man sich ein neues suchen.

Noch mal zu Adorno, den ich nicht studiert habe, aber jetzt etwas besser zu verstehen glaube: Adorno meint, dass Poesie dann gut ist, wenn sie mindestens zwei Kriterien erfüllt: sie rebelliert gegen Gleichgültigkeit und sie kämpft gegen Selbsttäuschung. Gleichgültig heißt: dass Menschen als Menschen geachtet werden, ist man gleichgültig behandelt man Menschen als Sachen, die man in die Ecke stellen kann, wo sie nicht stören. Auch gehört dazu, sie als Figuren zu gebrauchen, ähnlich wie die eines Schachspiels. Und Selbsttäuschung: Wir müssen alle unsere Überzeugungen und Gewohnheiten kritisch hinterfragen.

Diese Überlegungen zielen auch alle in die Richtung, die wir beide anpeilen.


Führungsmethoden müssen nicht - an und für sich - schlecht sein. Du warst nie beim Militär, da wird man geschleift und gedrillt. Natürlich ist das unschön, wenn man aber kämpfen muss, wird einem klar, wie überlebenswichtig Drill und Disziplin sind. Auch ein Chef, der sich unbeliebt macht, kann "gut" sein, weil er seine Mitarbeiter anspornt und das erhöht den Gewinn und bringt höhere Löhne.

Ich vermute, Du meinst eher Sadisten, die aus Spaß, Untergebene quälen? Ja, solche Typen sind die Hölle, da muss man sich dagegen wehren. (Entweder allein oder mit anderen zusammen.)

Doro

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7

Freitag, 27. Juli 2018, 12:47

Zitat

Wir müssen alle unsere Überzeugungen und Gewohnheiten kritisch hinterfragen.
Ja, darin treffen wir beide zusammen, und Lyrik kann zu solch einer Haltung beitragen.