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Chavali

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Dienstag, 10. Juli 2018, 22:06

Die Macht der Musik

Mir ist, als wär es gestern erst gewesen,
dass wir uns trafen dort im Nirgendwo,
wir konnten unsre Blicke nicht voneinander lösen,
dein Lächeln machte mich unendlich froh.

Die Band, sie sang und spielte Massachusetts
und wir vergaßen, was uns alles trennt,
wir sprachen nichts und fühlten tausend Worte,
wie zwei, die eins sind, wie's nur Liebe kennt.

Vorbei ist all die Zeit, ich kanns nicht fassen!
Verloren und alleine fühl ich mich.
Du wolltest nicht und musstest mich verlassen,
das Schicksal ließ uns Liebende im Stich.

Doch immer noch hör ich die alten Lieder,
die uns und unsre Liebe stark gemacht.
In meinem Herzen brennt so immer wieder
die Sehnsucht nach der Zeit, der Nacht
des Schicksals und die Macht der Lieder.
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

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2

Donnerstag, 12. Juli 2018, 11:59

Hallo Chavali,

Das Gedicht schildert die Situation einerintensiven Verliebtheit und die starke Stimulation, die Musik haben kann. Dann der Schock der Verweigerung, des Verlassenwerdens. Die Sehnsucht nach dem Verlorenen bleibt.

Hier könnte mein Kommentar jetzt enden mit einem Zusatz "gern gelesen". Mir ist aufgefallen, dass in diesem Forum nur positive Kommentare zu finden sind, die sich ausschließlich inhaltlich mit dem jeweiligen Gedicht auseinander setzen, aber nicht mit seiner Form. Aber gerade in der Lyrik sind die Gestaltungsmittel ungeheuer wichtig. Also wage ich es einmal meine Eindrücke zur Form zu beschreiben, und ich hoffe ich komme da nicht als "Besserwissi" rüber.

In Zeile 3 der ersten Strophe ist das Versmaß (Metrik) abweichend, sie steigt aus dem ansonsten jambisch komponierten Versmaß aus ohne ersichtlichen Grund. Ich finde, das stört die Wirkung der Verse.

Die letzte Strophe verlässt die vierzeilige Strophenform mit Kreuzreimen und bietet eine Zeile mehr. Es ist zu fragen, ob damit ein bewusster Nachdruck geschaffen werden soll.

Inhaltlich: Für den Abbruch der Liebe wird das "Schicksal" als verantwortlich benannt. Das finde ich etwas schwach, aber das kann ja auch an mir liegen. Ein Widerspruch scheint mir auch darin vorzuliegen, wenn die "alten Lieder" benannt werden als das Medium, das "unsere Liebe stark gemacht" hat, während vorher beschrieben wurde "Du wolltest nicht und musstest mich verlassen".

Andererseits über die Verse durchaus eine stimmungsvolle Wirkung aus. Vielleicht magst Du sie nochmals überarbeiten so dass sie noch eindringlicher und stringenter werden.

Freundliche Grüße, Doro

Chavali

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3

Freitag, 13. Juli 2018, 16:42

Hallo Doro,

ich bin sehr erfreut, dass sich auch mal jemand intensiver mit Texten auseinander setzen will.
Das hast du hier getan und ich stimme dir durchaus zu, wenn es um die dritte Zeile der ersten Strophe geht.
Natürlich erkenne ich das auch selber und ich habe hin und her überlegt, wie ich das passend hinkriege,
denn es muss ja das *voneinander* irgendwie erhalten bleiben.
Das habe ich nicht geschafft und so ist die Zeile um zwei Silben zu lang.

Was die fünfte Zeile der letzten Strophe betrifft, das sollte so sein, weil ich die Intensität erhöhen wollte.
Das Reimschema ist ja auch gleichmäßig a-b-a-b-a, sowie das Metrum.

Was das *Schicksal* angeht, das stimmt schon so, der Text ist ziemlich autobiografisch.
Es geht da um einen plötzlichen Tod, mit dem niemand gerechnet hatte.
Nicht nur ein *Verlassenwerden*.

Wenn das nicht so rüberkommt und der Leser das falsch verstehen könnte oder als zu schwach empfindet,
dann ist das Gedicht nicht gut.
Da bleibt einem dann nur noch, entweder ein neues schreiben, in der Hoffnung, dass es besser wird,
oder das Thema ad acta legen.

So habe ich die drei Punkte, die du genannt hast, erklärt und aufgearbeitet.
Ist aber schön, dass dir das aufgefallen ist, denn nur so hat man die Möglichkeit, entweder zu lernen oder besser
zu machen oder seinen Standpunkt zu zeigen.

Danke dir! Freut mich! LG Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
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4

Freitag, 13. Juli 2018, 19:28

Hallo Chavali,

wenn es der Tod ist und nicht ein durch etwas Trivialeres erfolgter Beziehungsabbruch, dann wird auch die Magik der Musik verständlicher, die etwas Unwiederholbares dennoch plötzlich aufleben lassen kann. Hier solltest Du eine Metapher für den Tod finden, "Schicksal" ist zu allgemein und auch missverständlich.

Für die dritte Zeile der 1. Strophe habe ich an folgenden Vorschlag gedacht:

die Blicke konnten wir nicht von uns lösen


Das Thema, wie auch die bisherige Umsetzung, wären es wert hier nochmals gründlich zu feilen.

Freundliche Grüße
Doro

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