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1

Mittwoch, 18. Juni 2014, 17:12

Nüchtern betrachtet

Du sagst ganz leise vor dich hin: Es war.
Und siehst mir viel zu traurig in die Augen,
die höchstens noch für Wimpernschminke taugen.
Schon gut. Was war, ist nicht mehr umkehrbar.

Kein Liebesschwur, kein Zeichen von Gefühl,
wir liebten uns, wie sich die Katzen lieben,
selbst davon ist uns nicht sehr viel geblieben.
Wir mimten Liebe nur, ein tumbes Spiel.

Von Schuld zu reden wäre jetzt nicht recht.
Ja, wie es kommen musste, ist's gekommen,
wir hatten uns wohl auch nichts vorgenommen.
Du weißt, selbst unser Spielen war nicht echt.

Es lohte nichts, da war kein wildes Feuer.
Nur das Als-ob, in dem wir nachts verbrannten.
Was bleibt, ist Asche, die wir Liebe nannten,
ein leeres, schnelles, dummes Abenteuer.

Chavali

Super Moderator

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2

Mittwoch, 18. Juni 2014, 17:34

Hallo Nachfrager,

dein(e) Gedicht(e) ist/sind viel zu schön, um sie nur einem so kleinen Publikum hier zu präsentieren.
Schreibst du noch auf einem ander Board?

Wunderbar dein Text in umarmenden Reimen, nachdenklich der Inhalt.
Hat mir sehr sehr gut gefallen - ich gebe dir 5 ***** ^^

LG Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

3

Donnerstag, 19. Juni 2014, 19:43

Nüchtern betrachtet

Hab herzlichen Dank, Chavali, für deinen Kommentar. Ja, ich schreibe auch noch in anderen Foren. Aber wirklich zufrieden mit den Foren bin ich nicht. Zur Zeit beschäftige ich mich mal wieder mit freien Rhythmen, das habe ich eine Zeitlang vernachlässigt, wobei ich aber immer wieder zum gereimten Gedicht zurückkehre, wo ich vorwiegend Themen des Alltags bedichte.

Dein Gedicht hatte mir aber auch sehr gut gefallen. Es freut mich, wenn ich auf User treffe, die sich für das gereimte Gedicht interessieren.

Lieben Gruß, Nachfrager

Chavali

Super Moderator

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4

Freitag, 20. Juni 2014, 16:45

Hallo Nachfrager,

was fehlt dir in den Foren, dass du nicht zufrieden bist?
Vielleicht können wir uns per PN weiter unterhalten?

Freie Rhythmen habe ich auch ab und an probiert, sagen mir aber nicht wirklich zu.
Ich bin mir nicht sicher, was schwerer ist: ein gutes Reimgedicht zu schreiben oder eines,
das aus freien Rhythmen besteht, die auch wirklich Sinn machen.
Meist ist das ja so eine sinnfreie Aneinanderreihung von Worten ^^

LG Chavali
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

5

Freitag, 20. Juni 2014, 18:53

Nüchtern betrachtet

Lieber Chavali,

ach, ich könnte mir denken, dass das Thema gereimtes Gedicht oder freie Rhythmen nicht nur uns beide interessiert.
Ich gebe dir recht, häufig sind gerade Gedichte in freien Rhythmen entweder zu flach, zu sinnfrei oder zu "künstlerisch", Brecht nannte das ironisch "Kunscht". Man trifft selten auf ein wirklich gutes, lesbares Gedicht in freien Rhythmen. Kann einem aber auch beim gereimten Gedicht passieren.

Ich denke, dass man beide Formen beherrschen sollte. Wobei ich festgestellt habe, dass der Übergang von einer zur anderen Form eine ziemliche Umstellung ist. Nachdem ich jahrelang nur freie Rhythmen geschrieben hatte, begann ich mich vor zwei Jahren mit dem gereimten Gedicht zu befassen, fand Vorzüge, besonders die mögliche thematische Breite hatte mich interessiert. Andererseits habe ich festgestellt, dass bestimmte Themen besser in freien Rhythmen darstellbar sind und eine größere Tiefe mit ihnen erreichbar ist. Gereimte Gedichte haben immer einen kleinen Anflug von Kindergedicht, um es mal so auszudrücken, und man muss ganz schön zirkeln, um diesen Eindruck umgehen zu können. Das hat auch bei mir ein Weilchen gedauert, bis ich dahinter kam.

Was die Lyrik-Foren im Internet angeht, so kennst du sicher die Gepflogenheiten genauso gut wie ich. Das handwerkliche Niveau ist zum Großteil sehr, sehr flach. Entsprechend fallen natürlich auch die Kommentare aus. Oder da tauchen Leute auf, die grundsätzlich jeden Text erst mal zur Minna machen müssen. Es macht irgendwie keinen richtigen Spaß. Noch dazu die Cliquenwirtschaft. Wirklich gute Gruppen, denen es ernsthaft um gute Lyrik geht, findet man im Internet nach meiner Kenntnis nicht.

Liebe Grüße, Nachfrager

Doro

Fortgeschrittener

Beiträge: 271

Wohnort: Burglengenfeld

Beruf: SAP Consultant ABAP Development,aber jetzt im Ruhestand

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6

Montag, 2. Juli 2018, 17:17

Auch mir gefällt das Gedicht ausgezeichnet. Der Inhalt wird sehr glaubhaft transportiert und wirkt durch gekonnte Anwendung von Metrik und Reim intensiv.

Ob gebundene oder freie Form ist für mich nicht die zentrale Frage. Spätestens seit Rose Ausländer und Hilde Domin ist die ungereimte Lyrik nicht mehr ernsthaft ablehnbar. Sie wirkt durch ungebundene Rythmik und starke Metaphorik. Der Reim ist in der modernen Lyrik etwas "in Verdacht" gekommen zu harmoniesüchtig zu sein für die Verdichtung existentieller Brüche und Abgründe.

Was Lyrikforen angeht, so fehlt mir dort häufig die poetische Ernsthaftigkeit und Redlichkeit, während sich ein dilettantischer Narzismus gerne schamlos outet. Aber dennoch sind Foren eine Möglichkeit gelesen zu werden und Rückmeldungen zu erhalten, und das ist enorm hilfreich, wenn es funktioniert.

Schönen Abend noch, Doro

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