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Freitag, 1. Mai 2015, 14:25

Abschied

Ach Dresden, wunderschöne Stadt,
an dir sah ich mich niemals satt!
Ich bin geschnitzt aus deinem Holz
und war deswegen mächtig stolz.

Hast auf das Kriegsgeschrei gehört
und wurdest promt komplett zerstört.
Doch aufgebaut in neuer Pracht
hast du uns freundlich angelacht.

Das Schloss, die Oper, das Palais,
die Fischlein im Carolasee,
der Zwinger mit dem Kronentor -
voll Staunen stand ich einst davor.

Und schalt dich einer ahnungslos,
hab ich gedacht: Was hat der bloß?
Jetzt weiß ich’s, und mich packt die Wut
auf die verdammte braune Brut!

Erweise dir die Reverenz,
mein wunderschönes Elbflorenz.
Werd dich so bald nicht wiedersehn,
bleib lieber hier in Spree-Athen.

Hans Beislschmidt

Administrator

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Wohnort: Saarbrücken

Beruf: selbstständig

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Samstag, 2. Mai 2015, 12:45

Hey Petra,

dein Gedicht trifft meine Gefühlsebene genau. Wie habe ich mich gefreut, als die Mauer fiel und die ersten Menschen sich zaghaft rübergewagt haben. Mir war bewusst geworden, dass es sich hier um eine Sternstunde handelt. Die Fernsehbilder, die Lawine der Emotionen losgetreten haben, ließen auch mich heftig schlucken.
Die folgenden Jahre aber haben meine Empfindsamkeit völlig gedreht. Die hässliche, dumme Fratze der beleidigten deutschnationalen Brut, wie ihre Begleiterscheinungen: - deutsch national befreite Stadtbezirke, Brandanschläge, Naziaufmärsche, Gewalt, Nötigung, Einschüchterung haben mich entsetzt und angewidert.
Sicher gibt es im Westen auch Auswüchse aber in diesem Maße, mit einer nicht, versteckten breiten Zustimmung in der Bevölkerung, kenne ich das nicht. Ich weiß nicht wie viele Milliarden Soli schon in die neuen Länder geflossen sind. Gelder, die gerade Sachsen wie aus dem Ei gepellt erscheinen lassen und von der Bürgerschaft im Westen aufgebracht werden mussten.
Hier im Saarland (dem ältesten aller neuenLänder) gab es keinen Soli nach der Rückgliederung und das sieht man auch an der teils sehr ärmlichen Infrastruktur. ABER hierzulande gibt es einen selbstverständlichen Umgang mit anderen ethnischen Volksgruppen.

Ich habe um 2000 herum zwei vietnamesische Kinder adoptiert, die hier eine unbeschwerte Kindheit verleben durften. Nicht im Traum würde ich jemals mit meiner Familie in die neuen Länder fahren. Ich fürchte, ich würde ausrasten, wenn solch rassistische Anfeindungen auf meine Kinder niedergehen würden.

Grüße in die Hauptstadt
vom Hans

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