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Samstag, 28. März 2015, 16:09

Absetzung der Bildzeituns-Kolumne "Post von Wagner"!

Absetzung der Bildzeituns-Kolumne "Post von Wagner"!


Franz Josef Wagner ist ein Begriff bei Millionen von Lesern und eine Beleidigung für noch weit mehr Leute, die die Bildzeitung - wenn überhaupt - nur mit der Kneifzange anfassen.

Ich gebe zu, wenn einer Meinungen spaltet, ist mir das lieber, als verbreite er eine parfümierte und für jeden passende Meinung, die man irgendwie gut findet und im nächsten Moment bereits wieder vergessen hat. Man sollte aber nicht übertreiben. Das aber lässt Wagner sich zuschulden kommen.

Mehr noch, inzwischen rufen Leser zur Absetzung seiner Bildzeitungs-Kolumne auf. Kalauernd darf man anmerken: Dann hat er alles richtig gemacht. Gut lasst uns jetzt wieder ernster werden. Was der Wagner in seiner Kolumne (Post von Wagner) vom 28. März schrieb, empfanden einige Leser als Schlag ins Gesicht. Er hatte an die Absturzopfer des Germanwings-Flugzeuges geschrieben, das aber in einer geschmacklosen Art und Weise. So schrieb er etwa von einem stillstehenden Gepäckband in der Ankuftshalle, da "Tote keine Koffer abholen." Das könnte man als bloße Feststellung missdeuten, Wagner hält sich aber tatsächlich für originell. Dann erwähnt er Austauschschüler und Babys, die auf dem Flug dabei waren. Man ahnt bereits, dass sich hier die nächste Katastrophe Bahn bricht. Und so ist es auch: Er fragt sich, ob die Passagiere Nüsse knabberten, aus dem Fenster guckten und ob die Babys quengelten. Und jetzt der Hammer: "Ich hoffe, sie waren glücklich bevor sie starben. Nette Stewardessen ..." Mit anderen Worten: Die blondbusigen Stewardessen haben den Passagieren noch mal das Leben versüßt, während die blöden Babys quengelten und die Maschine zum Crash ansetzte. Ist doch schön für die Passagiere und für die Stewardessen, die ihrem Leben so noch einmal einen Sinn geben konnten. Und als Höhepunkt ihres Lebens hat sie nun Franz Josef Wagner in seiner Post-von-Wagner-Kolumne verewigt. Welche Stewardess möchte da nicht in den Tod stürzen - und das mit Freude! Mit Freude nimmt man als geschockter Leser aber zur Kenntnis, dass Wagner nach all diesem herzzerreißendem Mitleid "kein Wort mehr darüber schreiben" will. Er hätte das tun sollen, ehe er in die Tasten seines Computers gehauen hat.

Wagner spaltet mit der Axt seiner Meinung, die Bäume des guten Geschmacks, und benutzt sie als Kaminholz in seinem Elfenbeinturm, den er für Originalität hält. Doch er ist nur ein Barbar und Opfer seiner Ansichten. Originalität ist das Gegenteil von Wagner.

Das hat auch die Sängerin und Schauspielerin Jenny Jürgens verstanden und deshalb eine Petition auf der Plattform "Change.org" gestartet. Ihre Begründung: "Diese Form der Berichterstattung hat nichts mehr mit Journalismus, sondern nur noch mit Zynismus zu tun." Da ergänze ich kalauernd, dass diese Begründung geeignet ist, das Projekt "Bildzeitung" zu Grabe zu tragen. Oder: Seriöser Journalismus und Bildzeitung waren seit Beginn an wie Feuer und Wasser.

Ich habe die Petition heute ebenfalls unterschrieben. Wem unsere Kultur am Herzen liegt, den bitte ich darum, diese Petition ebenfalls zu unterschreiben, wem aber unsere Kultur ganz besonders am Herzen liegt, der unterschreibe und boykottiere zukünftig die Bildzeitung.

Ich selbst habe sie nie, nie gekauft, kaufe sie nicht und werde sie nie kaufen. Lieber gehe ich dafür Eis essen oder werfe das Geld Obdachlosen in den Hut. Zum Glück ist heute ein sonniger Tag. Na, dann will ich mal!

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Samstag, 28. März 2015, 22:29

Ich deute Wagners Text (den ich aber nur durch Deine hier dargelegten Auszuege kenne, und daraus zu beurteilen versuche) eher so, im Sinne dessen, denkend an jemanden, der friedlich entschlafen sterben konnte, in seinem Bett, ein Laecheln auf den Lippen.
Dass der Verstorbene also nicht Qualen hatte.

Auf die Passagiere uebertragen: Der Wunsch des Aussenstehenden (ob es Wagner war, weiss ich nicht), dass sie nicht im Angesichte des Entsetzens ihre letzte Phase bewusst erlebten, sondern im Gluecke des Augenblickes, zum Beispiel also Nuesseknabbernd, ...
Auf dass die Abruptheit des Ereignisses das Grauen gar nicht
mehr erst in sie eindringen liess, sondern sie in Frieden, verschieden.

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Montag, 30. März 2015, 19:00

Das ist nett ausgedrückt. Wer aber Wagner kennt, weiß, dass er gerne spaltet. Er provoziert gerne, so ist sein Text auch geschrieben. Auf der Seite der Bildzeitung kannst Du seine Kolumne - und andere von ihm - nachlesen. Das zeigt Dir eher, wie er tickt.